• Gesundheit & Körper

So funktioniert Aromatherapie

Welche Düfte haben eine heilende Wirkung? Ein Profi klärt auf.

Aromatherapie

Ob Lavendel, Zitrone oder Zimt – ein wohliger Duft in der Nase tut einfach gut. Doch können Düfte tatsächlich auch eine heilende Wirkung haben? Genau das ist nämlich das Prinzip der Aromatherapie. Dabei wird unter anderem mit ätherischen Ölen gearbeitet, die der Mensch über die Haut oder eben die Nase aufnimmt. Die diplomierte Aromatherapeutin Anabelle Stieger (46) betreibt in Meiringen BE ihre eigene Praxis für Aromatherapie und Massagen. Im Interview mit Vayamo erklärt sie, was es damit auf sich hat.

Vayamo: Der Begriff wird häufig verwendet, trotzdem wissen viele nicht, worum es sich dabei handelt. Was versteht man unter Aromatherapie?

Annabelle Stieger: Den fettlöslichen Anteil der Destillation der Pflanzen nennt man ätherisches Öl. Den wasserlöslichen Anteil des Destillates nennt man Hydrolat oder Pflanzenwasser. Die Aromatherapie wird unter Einsatz von ätherischen Ölen, Hydrolaten und fetten Ölen angewandt. Durch den Einsatz der Öle und Hydrolate werden die Duftmoleküle über die Nase wahrgenommen, wodurch Menschen von ihren Eigenschaften profitieren. Auch der Kontakt mit der Haut tut uns gut.

Wo liegen die Ursprünge der Aromatherapie?

Grundsätzlich wissen Menschen seit den prähistorischen Zeiten, dass Düfte ihnen guttun und ihr Wohlbefinden steigern. Vor den Kenntnissen der Destillation nahmen Menschen durch Räuchern bereits die wohltuende Erfahrung von Düften wahr. Zu jeder Kultur gehören bestimmte Düfte, die ab der Kindheit die Menschen ein Leben lang prägen. Eine meiner liebsten Duftkombinationen aus meiner Kindheit ist der Duft der Alpen: Der krautige Duft aus Thymian, Alpengräsern, wildem Majoran und den vielen Alpenkräutern und Blumen erinnert mich immer wieder an die Wanderungen mit meinen Eltern. Dieser Duft entspannt mich und ich fühle mich jung und frisch. Jeder kennt einen Duft, der in ihm sowohl gute als auch schlechte Erinnerungen hervorruft. Darum ist es bei der Aromatherapie wichtig, für sich nur positiv behaftete Düfte anzuwenden.

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Wie funktioniert Aromatherapie genau?

Die Duftmoleküle entfalten Ihre Eigenschaften in der Anwendung. Je nach Beschaffenheit sind diese – um einige Beispiele zu nennen – psychisch und physisch entspannend, entzündungshemmend, anregend, durchblutungsfördernd, antiviral, antibakteriell, antimykotisch, ausgleichend, schlaffördernd, stimmungsaufhellend und/oder konzentrationsfördernd.

In der Schweiz werden aromatherapeutische Anwendungen nur äusserlich erlaubt. Beispiele von äusserlichen Anwendungen sind Aromamassagen, Bäder, Salben, Kompressen, Wickel, Raumbeduftung, Inhalationen, Fussbäder und Hautpflege. Welche Therapieform angewendet werden kann und unterstützend wirkt, muss individuell angeschaut werden. In der Aromatherapie ist es wichtig, sich von einem erfahrenen Therapeuten mit einer seriösen Ausbildung beraten und behandeln zu lassen. Es ist aber auch wichtig, dass das ätherische Öl eine gute und naturreine Qualität aufweist.

Bei welchen Beschwerden kann Aromatherapie angewendet werden?

Die Möglichkeiten sind vielfältig. So kann die Aromatherapie beispielsweise bei Prüfungsangst, Nervosität, innere Unruhe, Verspannungen, Verdauungsprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten oder Schlaflosigkeit helfen. Auch hier ist es ratsam, eine seriöse Beratung beim ausgebildeten Aromatherapeuten oder der ausgebildeten Aromatherapeutin einzuholen.

Kann man Aromatherapie auch selber zu Hause anwenden?

Die Aromatherapie kann auch sehr gut zu Hause angewendet werden. Die bekannteste Form ist wohl die Raumbeduftung mittels Duftlampe oder Aromadiffuser. Immer mehr Anklang findet auch der Roll-on für das Handgelenk. Entspannungsbäder, Duschgels, Kissen- und Raumsprays, Duftsteine, angeleitete Kompressen und Wickel sind einige der bekanntesten Anwendungen. Bei ätherischen Ölen sollte jedoch eine seriöse Fachliteratur beigezogen oder eine Aromatherapeutin konsultiert werden, damit unbeliebte Nebenwirkungen vermieden werden können.

Welche Düfte helfen bei welchen Beschwerden?

Der Lavendel bietet ein grosses Spektrum an Möglichkeiten an. Er ist gern gesehen und kann fast überall eingesetzt werden. Unter anderem bei Schlafproblemen, Angst, Schmerzen, Erkältung, aber auch gegen die Motten im Schrank. Beim Einsatz auf kleineren Verbrennungen am Finger (Verbrennungsgrad 1) oder bei einem Sonnenbrand (Verbrennungsgrad 1) wirkt er schnell gegen Schmerzen und Entzündungen. Hierfür empfehle ich gern das Lavendelhydrolat, das im Kühlschrank zusätzlich gekühlt werden kann.

Atlaszederöl kriegt die Kraft aus dem Kern des Stammes. Es spendet Sicherheit und Selbstvertrauen. Es hilft Menschen, sich den Gegebenheiten anzupassen und auf sich selbst zu konzentrieren. Es kann aber auch unterstützend bei Husten oder Schlafstörungen eingesetzt werden. Bei Kindern hilft es ausserdem, wenn das Selbstvertrauen noch etwas klein ist oder bei Schulwechsel und Klassenwechsel. Das Atlaszederöl kann aber auch sehr gut gegen Motten und Ungeziefer eingesetzt werden.

Die Rosengeranie kennt man als die Sanfte für Haut und Psyche. Sie wird gern als Ersatz der Rose eingesetzt. Sie ist gut für Haut- und Fusspilze, gegen Angst und Erschöpfung und als Narben-, sowie Hautpflege. Ausserdem wirkt sie wohltuend beim Thema «Frau sein», aber auch bei innerer Anspannung.

Der milde Sterneneukalyptus ist gut bei Erkältungen, grippalem Infekten und Sinusitis. Der Anteil von 1,8 Cineol – auch Eukalyptol genannt – erleichtert das Durchatmen und ist stark auswurffördernd.

Der frische Duft der Zitrone wirkt luftreinigend. Nach einem Fondue oder Raclette liegt der Käseduft schwer in der Luft. Bei der Verwendung der Zitrone wird die Raumluft erfrischt und zusätzlich desinfiziert. In meinen persönlichen Wintermischungen ist die Zitrone immer dabei!

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