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Ist Heiraten noch zeitgemäss?

Zwischen den Generationen von Vayamo.ch-Redaktorin Sarah Riberzani (19) und ihrer Grossmutter Ruth Marty (80) liegen Welten. Die beiden tauschen sich regelmässig über verschiedene Gesellschaftsthemen aus. In dieser Ausgabe diskutieren sie übers Heiraten.

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In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Hochzeiten deutlich abgenommen. Wenn bei dir immer weniger Hochzeitseinladungen eintrudeln, liegt das also höchstwahrscheinlich nicht an dir. Während sich die traditionelle Ehe langsam zurückzieht, erfreuen sich Partnerschaften ohne gemeinsame Wohnung und das Konkubinat grosser Beliebtheit. Ob ich das schlecht finde? Absolut nicht! Das liegt nicht zwingend daran, dass ich ein Scheidungskind bin. Vielleicht ist es auch einfach die Tatsache, dass ich erst im 21. Jahrhundert geboren bin. Meine Grossmutter Ruth Marty (80), die seit 56 Jahren glücklich verheiratet ist, sieht das Ganze nämlich etwas anders. Wenn sie ihren Lebenspartner als ihren Mann bezeichnen kann, ist das für sie mehr wert als nur ein Freund.

Um der Sache auf den Grund zu gehen, reisen wir zurück ins Jahr 1966. Am selben Tag, an dem meine Grosseltern heirateten, zogen sie nach Spreitenbach AG. Zu jener Zeit war das Konkubinat in der Schweiz strengstens verboten. Unverheiratete Paare durften dementsprechend nicht zusammenwohnen. Da manche Kantone etwas moderater waren, hat man an gewissen Orten aber ein Schlupfloch gefunden. «Viele unverheirateten Paare zogen in den Kanton Aargau, da hier das Zusammenleben auch ohne Ehevertrag toleriert wurde. Diese Hürde war aber bestimmt auch ein Grund, wieso viele geheiratet haben», erinnert sich Ruth. Neben dem Gesetz war es auch der gesellschaftliche Druck, der viele zum Heiraten verleitete. «Wenn man ledig ein Kind hatte, wurde mit dem Finger auf einen gezeigt», führt mein Grosi an.

Sicherlich sei auch die finanzielle Abhängigkeit der Frauen ein ausschlaggebender Grund dafür gewesen, dass früher mehr Menschen heirateten. «Wir Frauen verdienten nicht viel, hatten keine guten Berufe und konnten nicht studieren. Durch die Heirat erlangte man finanzielle Sicherheit.» Durch die Erklärungen meiner Grossmutter kommt es mir so vor, als wäre die Ehe für viele eine Versicherung gewesen, die man nicht so einfach kündigen konnte. Daher macht es auch Sinn, dass es weniger Scheidungen gab. «Früher hatte man mehr Kinder. Mit drei, vier oder sogar fünf Kindern konnte man als Frau nicht einfach gehen. Das brauchte viel Mut», erläutert Ruth weiter.

Heute leben wir Frauen viel selbstbestimmter und unabhängiger, daher heiraten wir auch weniger. Aus dieser Perspektive betrachtet, kann ich als Feministin nur darüber jubeln, dass sich die Zahl der Heiraten reduziert hat. Versteht mich nicht falsch – ich bin weder kaltherzig noch beziehungsunfähig. Doch wenn ich heiraten möchte, dann ohne Druck und aus purer Liebe. Noch schlimmer würde ich es finden, mit einem Mann zusammenzubleiben, mit dem ich unglücklich bin. Daher kann ich wohl von Glück sprechen, dass ich im 21. Jahrhundert geboren wurde.

Auch meine Grossmutter hat eine grosse Portion Glück – und zwar mit ihrem Ehemann. Ein bezauberndes Lächeln schleicht sich über ihr Gesicht, als sie über ihn redet: «Ich habe aus purer Liebe geheiratet und nicht aus gesellschaftlichem Druck. Für mich hat die Ehe keine Nachteile, denn wir hatten es immer gut zusammen.» Sehe ich die funkelnden Augen meiner Grossmutter, wenn sie über meinen Grossvater spricht, kann ich ihre Ansicht verstehen. Wäre ich in der gleichen Situation wie sie, würde ich wohl auch über die finanziellen Nachteile der Ehe hinwegsehen.

Als sie mich fragt, ob ich selbst heiraten möchte, komme ich ins Grübeln. Sich die Liebe bis ans Ende des Lebens zu versprechen, ist durchaus etwas Schönes. Doch das auch einhalten? Ist nicht ganz einfach. Es braucht nicht immer einen Seitensprung oder eine schlimme Tat, die für das Ehe-Aus sorgt. Wir verändern uns alle im Leben, und manchmal entwickelt man sich einfach in zwei verschiedene Richtungen. Viele sagen, dass die wahre Liebe bis ans Lebensende halte. Doch ich finde, dass es nicht nur eine wahre Liebe gibt. Nur weil eine Beziehung nicht das ganze Leben hält, heisst es nicht, dass es nicht wahre Liebe war.

Kurz gesagt: Ich weiss nicht, ob ich einem Menschen die Liebe bis ans Ende des Lebens versprechen könnte. Denn die Liebe ist etwas Wunderschönes, doch gleichzeitig auch unberechenbar. Eines steht für mich aber fest: Wenn man eine gesunde Beziehung wie meine Grosseltern führt, hat man schon mal gute Aussichten, dass es vielleicht doch bis zum Tod hält. «Konflikte gibt es in jeder Ehe. Doch entscheidend ist, wie man damit umgeht: Ehrlich sein, Probleme bereden und Achtung voreinander zu haben, sind wichtige Faktoren für ein erfolgreiches Zusammenleben», mahnt meine Grossmutter. Ein grossartiger Ratschlag von einer grossartigen Frau.

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