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Das steckt hinter dem Empty-Nest-Syndrom

Wenn alle Kinder ausgezogen sind, bleibt bei den Eltern oftmals eine Leere zurück. Entwicklungspsychologin Pasquallina Perrig-Chiello klärt über das Empty-Nest-Syndrom auf.

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Wenn man sich ein Leben lang um sein Kind gekümmert hat, ist es ganz natürlich, dass man als Eltern traurig ist, wenn das Letzte auszieht.

Doch das sogenannte Empty-Nest-Syndrom ist mehr als nur Trauer. «Es handelt sich hier um ein Abschiednehmen von einer Rolle, über die man sich über mehr als zwei Jahrzehnte in bedeutsamem Masse definiert hat. Eine Rolle, welche die Tages-, Wochen- und Jahresabläufe entscheidend strukturiert, das Zusammenleben mit dem Partner beeinflusst und das berufliche und gesellschaftliche Leben geprägt hat», erklärt Prof. em. Dr. Pasqualina Perrig-Chiello (68) Vayamo. Die Entwicklungspsychologin beschäftigt sich seit längerer Zeit mit dem Thema und weiss über die Trauer und Leere, die Eltern zu diesem Zeitpunkt fühlen können, Bescheid.

Im Vergleich zu früher hätten Eltern heutzutage jedoch weniger mit dem Auszug ihrer Kinder zu kämpfen. Dies habe zum einen damit zu tun, dass Mütter heute berufsorientierter als in früheren Generationen sind. Zudem erfolgt der Auszug heute in der Regel erst später und ist ein längerer Prozess, wobei es häufig vorkommt, dass Kinder wieder zurück zu den Eltern ziehen.

Trotzdem sei die Lebenszufriedenheit der Eltern nach dem Auszug der Kinder auch heute noch häufig tiefer als vorher. Dies hat laut Perrig-Chiello jedoch nicht ausschliesslich mit dem Auszug zu tun, sondern häufig sind es auch eheliche Themen, die eine Rolle spielen. «Die Eltern sind nach dem Auszug der Kinder gefordert, sich als Paar neu zu definieren. Das verbindende Element – die Kinder – sind nicht mehr aktiv da. Viele Scheidungen werden erst vollzogen, wenn die Kinder weg sind», weiss die Entwicklungspsychologin.

Während früher laut Angaben von Perrig-Chiello eher Mütter von der Trauer betroffen waren, zeigen neue Studien, dass Väter den Auszug ihrer Kinder genauso negativ erleben, wenn nicht sogar noch stärker als die Mütter. Dies könne verschiedene Gründe haben. «Die meisten Frauen – besonders die Berufsorientierten – vermissen zwar ihre Kinder, gleichzeitig bedeutet der Auszug aber auch neue Freiheiten.» Die meisten Männer der Generation, die heute mit dem Phänomen konfrontiert ist, würden hingegen nur Verlust spüren, wenn die Kinder ausziehen. «Kinderbetreuung und Hausarbeit war nicht ihre Domäne, weshalb der Auszug der Kinder kaum ein Gewinn an neuer Freiheit darstellt.»

Gerade in dieser Zeit würden viele Väter bereuen, früher nicht genügend Zeit mit den Kindern verbracht zu haben. «Sie merken, dass es für sie schwieriger ist, den Kontakt zu den Kindern zu halten und dass die sozialen Beziehungen vorwiegend über die Mütter laufen», führt Perrig-Chiello an.

Damit man zum Zeitpunkt des Auszugs nicht von den negativen Gefühlen überrumpelt wird, kann man sich laut Perrig-Chiello darauf vorbereiten. So können Sie sowohl mit Ihrem Kind, als auch mit Ihrem Partner über die neue Situation sprechen und neue Szenarien, wie beispielsweise ein wöchentliches gemeinsames Nachtessen, erarbeiten.

Zudem helfe es, sich zu vergegenwärtigen, dass Kinder nicht der Besitz ihrer Eltern sind. Eltern sollten vielmehr stolz sein, dass sie ihre Erziehungsaufgabe gut gemeistert haben und ihr Kind nun autonom ist.

Die Entwicklungspsychologin betont zudem: «Wer sichere Familienbindungen aufbauen konnte, muss nichts befürchten. Gute Beziehungen bleiben auch bei räumlicher Distanz als solche bestehen.»

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