• Gesundheit & Körper

Darum werden unsere Haare grau

Im Laufe des Lebens verändert sich der Körper. Das gilt natürlich auch für die Haare, die mit zunehmendem Alter mehr und mehr an Farbe verlieren. Eine Dermatologin erklärt, woran das liegt.

Graue Haare können toll aussehen, doch gefallen nicht jedem.

Die wenigsten Menschen freuen sich darüber, wenn sie ein graues Haar an sich entdecken, dabei ist dies ein ganz natürlicher Prozess. Oft assoziiert man mit der schwindenden Haarfarbe ein hohes Alter. Um wieder jünger und dynamischer zu wirken, färben sich viele die Haare.

Doch wie kommt es überhaupt dazu, dass die eigene Mähne weiss wird? Michelle Wirtz (44), Fachärztin für Dermatologie und Venerologie, erklärt im Gespräch mit Vayamo: «Der Vorgang des Ergrauens bzw. Weisswerdens der Haare wird in der Medizin Canities oder Achromotrichia genannt. Durch den komplexen Einfluss von Genetik und Umweltfaktoren auf die Haarfollikel-Stammzellen und Melanozyten, welche für die Färbung der Haare verantwortlich sind, gibt es hier verschiedene Erklärungsansätze.»

Nach etwa zehn Wachstumszyklen von jeweils drei bis sieben Jahren «erschöpfen» in der Regel die farbgebenden Zellen, wie Wirtz es beschreibt. «So kommt es zum Verlust der Melaninproduktion an einzelnen oder auch allen Haarwurzeln und man ergraut.» Auch eine defekte Selbsterneuerung oder fehlerhafte Entwicklung der Haarfollikel-Stammzellen beeinflusse die von ihnen versorgten Melanozyten.

Es gibt diverse Gründe für das Verblassen der Haarfarbe, wie die Expertin äussert: «Neben dem physiologischen, also durch den Alterungsprozess begründeten Farbverlust, kann dieser auch durch die Einnahme bestimmter Medikamente ausgelöst werden. Ebenso verhält es sich mit Autoimmunerkrankungen oder Syndromen, die zu vorzeitigem Altern führen.»

Emotionaler Stress, UV-Strahlung, Alkoholkonsum, Rauchen sowie Umweltgifte können laut der Fachärztin dazu führen, dass der Körper sogenannte freie Radikale produziert. Diese führen zu oxidativem Stress, welcher merkliche Folgen haben kann, wie die Dermatologin weiss: «Die Sauerstoffteilchen wirken zellschädigend und beschleunigen den Alterungsprozess. Etliche Studien konnten den Einfluss von oxidativem Stress auf Haarfollikel bei frühzeitigem Ergrauen nachweisen».

Bei Vitamin B12- oder Folsäuremangel könne es ebenfalls zu vorzeitigem Ergrauen kommen, warnt die Wirtz. «Falls eine Diät mit Nährstoffmangel und starkem emotionalen Stress einhergeht, schadet sie dem Körper. Auch besteht ein Zusammenhang zwischen Übergewicht und frühzeitigem Ergrauen. Bewusstes und idealerweise medizinisch betreutes Fasten dagegen kann den Alterungsprozess verlangsamen», stellt die Fachärztin klar.

Wann ein Mensch beginnt, die Pigmentierung seiner Haare zu verlieren, ist ganz unterschiedlich. Während sich laut der Dermatologin bei Frauen und Männern das Alter dafür kaum unterscheide, gebe es jedoch ethnische Differenzen. «Bei Kaukasiern liegt das Durchschnittsalter für das Weisswerden der Haare bereits bei 34, plus/minus zehn Lebensjahre, bei Afro-Amerikanern hingegen erst bei 44, plus/minus zehn Lebensjahre. Wenn dieser Prozess bei Kaukasiern unter 20 und bei Afro-Amerikanern unter 30 Jahren beginnt, wird dies als vorzeitiges Ergrauen definiert», so die Fachärztin.

Auch wie schnell alle Haare ergrauen, variiert. Schläfen- oder Barthaare haben einen etwas kürzeren Lebenszyklus, deshalb ergrauen laut Wirtz die meisten Menschen zunächst nur partiell an diesen Stellen.

Warum manche einer grau und ein anderer eher weiss wird, veranschaulicht die Expertin so: «Bei grauen Haaren liegen sowohl pigmentierte als auch depigmentierte Haare gleichzeitig vor. In weissem Haar fehlen die farbbildenden Melanozyten gänzlich. Und obwohl die Eigenfarbe des Keratins, dem Grundbaustein der Haare, eigentlich gelblich ist, erscheinen depigmentierte Haare durch die Reflexion des einfallenden Lichtes weiss.»

«Es gibt kein Geheimrezept, um Ergrauen vorzubeugen. Wer sich vegan oder vegetarisch ernährt oder unter Darmerkrankungen leidet, sollte zumindest regelmässig einen Vitamin B12-Mangel ausschliessen lassen. Ansonsten ist der Zeitpunkt des Grauwerdens der Haare aber kaum beeinflussbar», meint Wirtz. Generell sei ein gesunder Lebensstil und eine ausgewogene Ernährung empfehlenswert.

Wer bereits graue Haare hat, sollte diese laut der Expertin gut vor Sonne schützen, da sie anfälliger für UV-Strahlung sind. Auch die richtige Pflege sei entscheidend: Shampoos ohne Silikone lassen die Haare gepflegter und glänzender erscheinen. Wer einen Gelbstich neutralisieren möchte, kann Shampoos und/oder pflegende Farbconditioner mit Violettpigmenten verwenden, wie die Dermatologin erklärt.

Färbt man seine Haare, sollte unbedingt auf schonende Inhaltsstoffe bei den Färbemitteln geachtet werden, rät Wirtz: «Chemische Farbvorstufen, Weichmacher oder synthetische Duftstoffe in Haarfärbemitteln oder Tönungen können eine schädigende Wirkung auf Kopfhaut und Haarstruktur haben. Manche stehen sogar im Verdacht das Krebsrisiko, vor allem für Blasenkrebs, zu erhöhen.»

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