Wie trauern, wenn das geliebte Haustier stirbt?

Der Verlust des Haustiers wirft Halter aus der Bahn. Wie soll man danach weitermachen? Über die Trauer um unsere Haustiere werde zu wenig gesprochen, findet eine Expertin.

Picture© Getty Images

Im vergangenen April ist unsere Hündin Jacky von uns gegangen. Sie war ein Teil der Familie und ein treuer Begleiter. Ihr Tod traf mich zutiefst. Genau so wie die Reaktionen meines Umfelds, die mir vorschreiben wollten, wie ich mit meiner Trauer umzugehen hätte. «So lange musst du nicht traurig sein, es war ja nur ein Hund», war eine der Bemerkungen, die ich auf meine Tränen erhielt.

Doch wieso sollte ich um ein geliebtes Tier weniger trauern dürfen als um einen verlorenen Menschen? Wer schreibt mir vor, dass ich beim Verlust eines Hundes weniger lang traurig sein darf? «Trauer um Tiere ist in unserer Gesellschaft leider ein Tabuthema, das macht vielen Haltern zu schaffen», bestätigt mir Esther Sager (49) im Gespräch. Sie ist Leiterin der Kundenbetreuung im Tierkrematorium Seon AG und Dübendorf ZH. Acht Jahre lang führte die gebürtige Luzernerin eine Hotline, auf die Trauernde, die ihr Tier verloren hatten, anrufen konnten.

«Jede Träne ist eine Liebeserklärung»

Bei der Beratung hat Sager immer wieder die gleiche Erfahrung gemacht: «Tierhalter, die sich lange gegen ihre Trauer wehren, ziehen das Trauern nur in die Länge.» Darum sei es wichtig, einfach traurig zu sein und alles zuzulassen.

Zur Trauer gehören auch Tränen, die man nicht zurückhalten sollte. «Ich erinnere mich, dass einmal eine Frau anrief, die sich dafür entschuldigte, dass sie am Telefon weinte. Dann kam mir spontan über die Lippen: ‹Jede geweinte Träne ist eine Liebeserklärung.› Daraufhin weinte sie noch mehr. Sie meinte dann, dass sich das Weinen dank meiner Worte plötzlich anders anfühlte.» Heute gilt Sagers Spruch als eine Art Leitsatz des Krematoriums.

PictureEsther Sager ist Leiterin der Kundenbetreuung des Tierkrematoriums Seon und Dübendorf. Hier auf dem Foto mit Kater Mr. Sheffield. © zvg

Trost bei anderen Tierhaltern finden

Ganz oft haben Trauernde laut der 49-Jährigen mit Schuld zu kämpfen. Wenn jemand von extrem starken Schuldgefühlen geplagt wird, rät Sager: «Dann kann es helfen, einen Brief an das verstorbene Tier zu schreiben, in dem man alles niederschreibt, was einem beschäftigt, und in dem man seinen Freund um Verzeihung bittet.» Dieser Brief könne man natürlich nicht auf die Post bringen, aber zum Beispiel bei einem Ritual verbrennen.

Ein weiterer Trost könne es sein, bei anderen Tierhaltern Hilfe zu suchen. Bei Personen Verständnis zu suchen, die kein Tier haben, endet oft nicht gut. «Dort werden Trauernde dann oftmals enttäuscht, wenn sie ihrer Trauer Ausdruck verleihen», meint Sager.

Sind noch andere Tiere in der Familie, dann können diese unglaublich tröstlich sein. «Manchmal spüren die Tiere, die noch da sind, dass der Halter traurig ist. Dem Trauernden geben sie Halt, weil die Tagesrituale weiter bestehen bleiben und man sich um jemand anderes sorgen muss.»

Hilfe finden Trauernde auch auf der Website des Krematoriums, wo es die Rubrik «Erinnerungen» gibt. Dort können Halter ihre Geschichte erzählen. «Leute mit ähnlich Erlebtem haben sich so gefunden und gemerkt, dass sie nicht alleine sind.»

Offen und ehrlich dem Kind erklären, was bevorsteht

Gerade bei Kindern ist es auch wichtig, sie richtig in ihrer Trauer zu begleiten. Dem Kind den Tod des Haustiers zu verschweigen und etwa zu behaupten, die Katze sei entlaufen, ist keine gute Idee, wie Sager findet: «Egal ob Kind oder Erwachsener, man sollte stets ehrlich sein. Wenn man merkt, dass es dem Tier nicht mehr so gut geht, dann sollte man den Kindern erklären, dass es krank ist. Und vor allem die Kleinen auch darauf vorbereiten, dass man dem Haustier vielleicht beim Sterben helfen muss.»

Das Wort «Einschläfern» sollte man dabei aber besser nicht verwenden. Kinder könnten das fälschlicherweise mit dem gewöhnlichen Schlaf assoziieren. Wenn die Kleinen gesehen haben, wie der Vierbeiner eingeschlafen ist und nicht mehr aufwachte, haben sie selbst Angst davor, abends ins Bett zu gehen. Besser sei es, die Wahrheit auszusprechen: «Man hilft dem Tier beim Sterben.»

Das sieht auch Christine Kuhn, Inhaberin der Kleintierpraxis Mühlebach, so: «Kinder haben Tiere sehr gern und wollen nicht, dass diese unnötig leiden.» Wenn man ehrlich zu ihnen sei, ihnen offen erklärt, dass es alt ist oder Schmerzen hat, dann haben die Kleinen in der Regel ein gutes Verständnis.

Kinder sollten zudem unbedingt die Möglichkeit haben, sich von ihrem Freund verabschieden zu können, so die Tierärztin. Kuhn erklärt: «Man sollte den Kindern auf keinen Fall verschweigen, was passiert.»

PictureChristine Kuhn ist die Inhaberin der Kleintierpraxis Mühlebach in Zürich. © Ben Zurbriggen

Das Tier rechtzeitig gehen lassen

Doch wie spürt man als Halter, wenn es so weit ist, das Tier gehen zu lassen? «Wenn die Lebensqualität abgenommen hat, dann ist das ein Anzeichen, dass es Zeit ist. Auch wenn das Tier die gewohnten Rituale mit seinem Lieblingsmenschen nicht mehr ausführt – beispielsweise das Begrüssen an der Tür –, dann neigt sich das Leben des Tiers dem Ende zu.» Aber laut Kuhn sind solche Zeichen immer auch individuell unterschiedlich und äusseren sich bei jedem Tier anders.

Wichtig sei vor allem eins: «Man sollte nicht egoistisch handeln und das Ganze unnötig herauszögern», sagt Kuhn. Man müsse sich seiner Verantwortung als Halter bewusst sein und das Tier vor unnötigen Schmerzen bewahren. «Eine Hundebesitzerin meinte mal: ‹Ich bin in einer Woche genauso traurig wie heute.› Lieber das Tier einen Tag zu früh gehen lassen, als die Schmerzen eine Stunde länger hinauszuzögern.»

Schwer ist es immer. Und jeder Mensch geht anders mit der Situation um, wie Kuhn erklärt. «Viele bringen extra die Lieblingsdecke oder das liebste Spielzeug des Tiers mit. Andere zünden eine Kerze an oder lassen Musik laufen. Wichtig ist: Dass man sich rechtzeitig verabschiedet und dem Tier für die gemeinsame Zeit dankt.»

Kind sollte beim Einschläfern dabei sein dürfen

Wenn die Kleinen ausserdem dabei sein wollen, wenn die endgültige Spritze gesetzt wird, dann sollten sie das auch dürfen, findet die Leiterin der Kundenbetreuung des Tierkrematoriums Seon und Dübendorf. Esther Sager sagt: «In einem solchen Moment sollten Eltern ihre Kinder dann stützen können. Es sollte nicht so sein, dass die Erwachsenen so stark von der Rolle sind, dass die Kleinen stärker als sie selbst sein müssen.»

Das gemeinsame Erleben der Trauermomente schweisst zusammen. Und wenn Eltern vor den Kindern weinen, ist das gar nichts Schlimmes. «Schlimm ist es, wenn Mami und Papi zum Kind sagen: ‹Du musst nicht traurig sein. Du bekommst ein neues Häsli.›» Sager findet es wichtig, dass das Kind und auch die Eltern trotzdem traurig sein dürfen. «Weil das Tier eben ein guter Freund und treuer Begleiter war.»

DIE VIER TRAUERPHASEN

Jemand, der sein Haustier verliert, durchlebt laut Esther Sager (49), Leiterin der Kundenbetreuung im Tierkrematorium Seon AG und Dübendorf ZH, die typischen vier Trauerphasen, die man durch Verena Kast («Trauern: Phasen und Chancen des psychischen Prozesses», Verlag Herder) aus der Psychologie kennt.

Phase 1: Das Nicht-Wahrhaben-Wollen

«Menschen stecken anfangs oft in einer Phase der Leugnung fest», erklärt die 49-Jährige. Die Betroffenen wollen dann nicht wahrhaben, dass ihr Tier gestorben ist und nicht mehr zurückkommt. Sie denken, das Tier lebt noch.

Phase 2: Aufbrechende Emotionen

In dieser Phase haben Halter oft auch mit Wut zu kämpfen. «Hier treten häufig Schuldgefühle auf. Auch Wut, Zorn, Angst und Verzweiflung gehören in diese Phase», sagt Sager. Man sucht einen Schuldigen für den Tod des Tiers, so beispielsweise ein Autofahrer oder Tierarzt, oder aber, man macht sich selbst Vorwürfe für das Ableben. Man fragt sich: Warum habe ich die Katze rausgelassen? Das belastet die sowieso schon trauernden Personen zusätzlich. Diese aufbrechenden Emotionen können gehen und kommen. Mal stärker, mal schwächer sein.

Phase 3: Das Suchen und Sich-Trennen

«In diesem Moment hegen die Leute ein starkes Bedürfnis, über den Verstorbenen reden zu müssen», führt Sager aus. Dann kann es auch vorkommen, dass die Trauernden immer wieder dieselben Geschichten über das Tier erzählen. In dieser Phase wollen sie ihrem verstorbenen Begleiter ganz nah sein. «Auch spielen uns dann unserer Sinneskanäle gerne einen Streich. Das heisst, man glaubt nachts beispielsweise das Katzentürchen zu hören.» Wichtig ist hier laut der Expertin aber, dass man sich auch wieder trennen kann.

Phase 4: Der neue Selbst- und Weltbezug

Sind Trauernde bereit zu sagen, dass sie den Boden unter den Füssen zurückhaben, dann sind sie in der vierten Trauerphase angekommen. Wird der Mensch nicht mehr nur von der Trauer gesteuert, dann kann ein neuer Selbst- und Weltbezug entstehen. «Dann sind die Leute bereits weiterzugehen», so Sager.

DAS PASSIERT MIT DEM TIERKÖRPER NACH DEM TOD

Ist Ihr Tier von Ihnen gegangen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie Sie weiterfahren können. Tiere bis zehn Kilo dürfen im eigenen Grund und Boden beerdigt werden. Dazu muss bis 1,2 Meter in die Tiefe gegraben werden, und es dürfen sich keine Trinkwasserquellen in der Nähe befinden.

  • Bei der Einzelkremation wird das Tier alleine verbrannt. Halter bekommen die Asche zurück.
  • Wer sich für eine Sammelkremation entscheidet, dessen Tier wird mit anderen Tieren zusammen kremiert. Die Asche bleibt dann beim Krematorium und kommt in einem grossen Gemeinschaftsgrab unter.
  • In der Schweiz gibt es zwei Tierfriedhöfe – in Läufelfingen BL und Emmen LU –, auf denen auch Tiere schwerer als zehn Kilogramm beigesetzt werden dürfen.
  • Kadaversammelstellen nehmen Tierkörper kostenlos entgegen. Dort wird das Tier zusammen mit Schlachtabfällen zu Tiermehl verarbeitet, was als Brenn-, Heiz- oder Treibstoff eingesetzt wird.

Rituale sind bei der Trauerverarbeitung von grosser Bedeutung. Sie können daraus bestehen, die Asche zu beerdigen, Kerzen zu entzünden, Briefe zu schreiben oder Fotos anzuschauen. Eine Art Beerdigung hilft, richtig Abschied nehmen zu können.

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