Was ich meinem früheren Ich schon immer sagen wollte

Ich war früher nicht immer ganz fair zu mir und glaubte, das Leben sei es nicht zu mir. Doch wie so viele andere Phasen ging auch diese vorbei. Was ich rückblickend gerne mir gegenüber loswerden möchte.

PictureJeder geht seinen Weg. © zvg

Heute bin ich näher an 30 als an 20. Obwohl ich noch immer jung bin, hat mir das Älterwerden lange Sorgen gemacht. Schon mit 18 habe ich mich oft gefragt, wie wohl die Welt mit Ende 20 aussehen wird.

Jetzt bin ich da. Angelangt an dem Ort, vor dem ich Bammel hatte. Habe ich mit 27 das erreicht, was ich wollte? Stehe ich mit beiden Füssen im Leben oder ist ein Bein noch immer in der Kinderwelt? All diese Fragen geistern durch meinen Kopf. Damals und heute. Mittlerweile weiss ich aber, dass ich diese Monster immer wieder verjagen muss. Sie ruhig stellen und mich ermahnen, dass alles und jeder seinen Platz in meinem Leben gefunden hat.

Ich hatte immer Angst. Angst davor, älter zu werden und die Jahre einfach vorbeiziehen zu sehen. Angst davor, nicht alles aus dem Leben rauszuholen. Angst davor, nicht das Leben zu leben, das ich mir erträumt habe. In ein paar Jahren bin ich 30. Dann geht eine Ära zu Ende. Die wilden 20er. Sie haben mir einiges gelehrt. Vor allem aber haben sie mich reifer und ruhiger gemacht.

Hör mal her, jüngeres Ich!

Der einzige Mensch, mit dem man wirklich sein Leben lang und ohne Unterbruch Zeit verbringt, ist man selbst. Bis ich zu dieser Erkenntnis gekommen bin, hat es einige Zeit gedauert.

Mit 18 glaubte ich, mich anzupassen zu müssen, damit mich andere cool finden. Mit 20 meinte ich, alles über das Leben zu wissen, obwohl ich noch gar nichts wusste. Mit 22 dachte ich, das Leben drehe sich nur um wilde Partys und lange Nächte. Mit 24 sagte ich immer wieder zu mir: Du musst langsam die Liebe finden und dich binden. Mit 26 wurde der Druck grösser: Die Uni ist längst abgeschlossen, du hast noch immer keine Festanstellung – gib Gas!


PictureMit 18 hatte ich Angst davor, nicht das zu erreichen, was ich im Leben erreichen will. Ich war ungeduldig und vergass in all meinen Vorstellungen vom Leben, auf mich selbst zu achten. © zvg

Mit 27 wurde mir klar, dass es keine festen Regeln gibt. Wer sagt, dass ich mit 30 den Job fürs Leben gefunden haben und verheiratet sein muss? Das Leben passiert einfach und wir sind mittendrin. Hör also gut zu, junges Ich: Nimm nicht alles immer zu ernst und sei mutig, geduldig und vor allem, sei gut zu dir!

Sei optimistisch

Träume sind nicht verboten. Leb dich aus und glaub bis zum Schluss daran, dass du alles erreichen kannst. Denn so ist es auch. Wenn du etwas willst, alles dafür gibst, wirst du es auch erreichen können. Das Leben gibt dir Hürden, doch du wirst sie überspringen!

Sei mutig

Wage manchmal alles und manchmal nichts. Trau dich was, geh all in und wenn du glaubst, es lohnt sich nicht, dann lass es sein. Aber vergesse nie, dass du mutig bist und lasse all deine Ängste zurück.

Sei geduldig

Alles wird so kommen, wie es soll. Ich weiss, dass du oftmals ungeduldig bist und es nicht abwarten kannst, alles zu haben, was du dir erträumst. Doch lege Ausdauer an den Tag, sei beharrlich und deine Geduld wird belohnt.

Sei nachsichtig

Ich erinnere mich, streng mit dir gewesen zu sein. Es tut mir leid! Du musst nicht immer alles perfekt machen und nicht immer jeden beeindrucken. Alles, was du tust, tust du für dich. Wenn andere sagen, du machst etwas nicht gut genug, dann hör nicht auf sie. Und vor allem: Sei nicht zu barsch mit dir.

Sei stolz

Auch wenn du noch jung bist und so viele Lebensabschnitte auf dich warten: sei stolz! Sag dir immer wieder, wie gut du manche Aufgaben gemeistert hast. Wenn es andere nicht tun – egal. Es zählt, dass du an dich glaubst und du jede deiner Leistungen für beachtlich hältst.

Sei achtsam

Was dir am längsten zu schaffen machen wird, wirst du selbst sein. Hin und wieder wirst du vom Weg abkommen und vergessen, auf dich selbst zu achten. Doch genau das solltest du nie aus deinen Aufgaben streichen: gut zu dir zu sein und dich und deine Wünsche immer als Priorität zu beachten.

Sei gut zu deinen Liebsten

So wie du dir wünscht, dass die anderen zu dir sind, so sei du zu ihnen. Es heisst nicht umsonst: «Was man sät, das wird man ernten.» Wenn du mal wütend oder traurig bist, lass es nicht an deinen Freunden oder deiner Familie aus. Nimm dir dann Zeit für dich und beruhige dich.

Sei auch mal allein

Das Schwierigste in deinem Leben wird sein, auch mal allein sein zu können. Du willst dich immer mit deinen Freunden und deiner Familie umgeben, dich nie dir selbst stellen. Doch genau das musst du hin und wieder wagen.

Sei selbstbewusst

Ein starkes Selbstbewusstsein ist sexy. Auch wenn dich immer mal wieder Zweifel heimsuchen, schiebe sie weg. Lass sie reden, aber denk nicht an sie. Füttere dein Selbstbewusstsein mit Komplimenten und trag es mit Stolz nach aussen.

Sei auch mal traurig

Das Leben wird dir viele Steine in den Weg leg. Dein Rucksäckchen, das du zu tragen hast, wird grösser und grösser werden. Wenn dich mal ein Schicksalsschlag trifft oder du am Boden bist, dann sei traurig. Schluck es nicht runter, sondern steh zu deinem Schmerz. Lass all die Gefühle zu. Nur dann wirst du die Kraft aufbringen können, auch wieder aufzustehen.


PictureMit 27 habe ich gelernt, die Gedanken einfach
kreisen zu lassen und mir nicht alles mehr so
zu Herzen zu nehmen.
© zvg

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