So lernen Sie, gelassener mit Kritik umzugehen

Kritikfähigkeit ist nicht jedermanns Sache. Die einen können besser mit Feedback umgehen, während andere sie oft viel zu persönlich nehmen. Ein Lifecoach gibt Tipps, wie Sie lernen, gelassener mit Kritik umzugehen.

Picture© Getty Images

Obwohl wir im Innern wissen, dass Kritik meist nur gut gemeint ist und ausschliesslich die Sicht eines anderen Menschen über unser Verhalten darstellt, fühlen wir uns doch angegriffen, wenn jemand ein Feedback äussert. Das liegt in der Natur des Menschen, wie Sandra Lutz (43), zertifizierter Lifecoach, Mentorin und Speakerin, Vayamo sagt: «Keiner von uns wird gerne kritisiert. Wir wollen immer recht haben, und erhält man dann Kritik, fühlt man sich verletzt.»

Manche Menschen sind aber von klein auf weniger kritikfähig als andere. Woran das liegt? «Das hat auch damit zu tun, wie wir aufwachsen. Ganz viel formt sich bereits in der Jugend: unser Charakter oder unsere Persönlichkeit. Wenn man als Kind schon viel kritisiert wurde, nimmt man das als wahr hin.» Hätten die Eltern einen bereits oft kritisiert, dann werde das für den Menschen zu einem Fakt. «Man kritisiert sich dann auch selbst viel mehr.»

Für viele ist es laut Lutz ausserdem schwierig, Kritik anzunehmen, weil sie das Bedürfnis hegen, ihre potenziellen Schwächen zu verbergen. «Doch die gute Nachricht ist: Kritikfähigkeit kann man lernen», sagt der Lifecoach schmunzelnd.

4 Schritte, um Kritik besser anzunehmen

Um gelassener mit Feedback umzugehen, rät Lutz, sich in einem ersten Schritt bewusst zu sagen, dass man an seiner Kritikfähigkeit arbeiten will. Weiter gibt die Mentorin eine kleine Übung an: «Versuchen Sie, eine Diskussion mal aus der Vogelperspektive zu sehen. Dann wird die Situation zu einer Art Film, der abläuft. Man nimmt das Ganze nicht mehr so persönlich.»

Man solle zudem daran denken, dass es in einer Situation, in der wir Kritik erhalten, nicht nur um uns selbst geht. Auch das Gegenüber spielt seine Rolle, wie Lutz erklärt. Die Mentorin nennt vier Schritte, die helfen sollen, die Kritikfähigkeit zu trainieren und gleichzeitig zu einem stabilen Selbstwertgefühl zu gelangen:

  1. Abstand gewinnen: Wichtig ist laut Lutz, dass man die Kritik als Aussage von jemand anderem sieht. Dass man sich bewusst ist, es handelt sich um die Sicht einer anderen Person. Es ist die Sicht, wie diese mich wahrnimmt. «Man sollte differenzieren können. Man muss einsehen: ‹Okay, es ist nicht eine Kritik an meiner Persönlichkeit, sondern das ist einfach eine Aussage, die diese Person jetzt macht›», so der Lifecoach.
  2. Nachfragen: In einem nächsten Schritt solle man unbedingt weiter nachfragen. Denn wenn wir defensiv werden und uns verteidigen wollen, geben wir der Aussage nur viel Gewicht, wie Lutz ausführt. Man bejahe dann die Aussage unbewusst. «Wenn man dagegen nachfragt oder proaktiv nach Kritik fragt, kann man dem Gegenüber den Wind aus den Segeln nehmen. Und das im geschäftlichen wie auch im persönlichen Kontext. Das zeigt auch eine gewisse Offenheit.»
  3. Einstellung ändern: Auch sein Mindset solle man von Grund auf ändern: «Kritik ist gut für mich, Kritik lässt mich wachsen», führt Lutz an.
  4. Dankbar sein: Für Feedback sollte man sich laut Lutz bedanken. Schliesslich sei Kritik etwas, bei dem sich jemand Gedanken gemacht sowie Zeit und Energie investiert hat – für das dürfe man sich auch ruhig mal dankbar zeigen. «Das nimmt dem Ganzen die Schärfe weg.»

Kratzt Kritik am Selbstbewusstsein?

Für das Selbstbewusstsein ist Kritik nicht die beste Medizin. Bei manchen Menschen löst Feedback Zweifel aus, die den Glauben in sich selbst schmälern können. Man entwickelt gewisse Strategien, um das zu verhindern: Man versucht, immer alles richtigzumachen, lässt Kritik an sich «abprallen» oder attackiert den Kritiker.

Was wir aber laut Lutz alle lernen müssen: «Kritik ist unvermeidlich, damit wir Menschen wachsen und uns weiterentwickeln können.» Das Gefühl, durch Kritik angegriffen zu werden, sei eine unwillkürliche Reaktion, in der man umgehend in einen Freeze-Mechanismus schaltet.

«Nehmen wir Kritik wirklich persönlich, kann das ganz, ganz schlimm für unser Selbstwertgefühl sein, weil wir es dann als eine Wahrheit ansehen», weiss der Lifecoach. Sehe man Kritik als eine Wahrheit, dann könne das sogar zu Depressionen führen.

Sind Männer und Frauen unterschiedlich kritikfähig?

Oft ist die Rede davon, dass Männer besser mit Kritik umgehen könnten als Frauen. Dem stimmt Lutz nicht zu: «Es kann für einen Mann genauso verletzend sein wie für eine Frau. Ich glaube zwar, dass Frauen länger etwas nachstudieren und den Fehler bei sich suchen. Schlussendlich ist der Umgang mit Kritik aber etwas sehr Persönliches, und jeder Mensch geht anders damit um – egal ob Frau oder Mann.»

Was kann uns Kritik lehren?

Kritik hat durchaus auch ihre positiven Seiten: «Sie eröffnet uns neue Perspektiven, und man kann sich dadurch verbessern», zählt Lutz auf. Man komme mit anderen Ansichten und neuen Methodiken in Berührung, die man dann lernen könne. So zum Beispiel im Beruf, wenn man etwas präsentiert und man anschliessend darauf aufmerksam gemacht wird, dass man extrem mit den Händen gestikuliert hat, kann man dies das nächste Mal anders machen.

 

PictureSandra Lutz (43) ist zertifizierter Lifecoach,
Mentorin und Speakerin.
© zVg

Auch aktives Zuhören lerne man durch Kritik. «Nicht immer nur an sich und seine Meinung zu denken, sondern auch mal zu akzeptieren, dass es andere Ansichten gibt», das macht das Zusammenleben viel einfacher, wie die Mentorin ausführt.

Warum äussern Menschen überhaupt Kritik?

Betrachtet man das Ganze andersherum, dann hat jeder bestimmt selbst schon einmal Kritik geäussert. Lutz erklärt, warum Menschen das Bedürfnis hegen, anderen ihre Meinung zu sagen: «Weil es einfach ist. Es ist einfach, seine Werte, seine Wahrheit oder seine Realität nach aussen zu tragen.»

Doch nicht für alle ist das Ausüben von Kritik eine leichte Sache. «Es gibt auch sogenannte People-pleasers oder harmoniesüchtige Personen, die sich extrem schwer damit tun, ihre Meinung zu äussern», sagt der Lifecoach. Für alle anderen Menschen sei das Äussern von Feedback aber ein Leichtes, weil es eine einfache Form von Ego-Verteidigung darstelle. Dadurch bekommt man laut Lutz das Gefühl, besser als die anderen zu sein.

Beruf & Berufung

Unser Vorname bestimmt, wie viel wir verdienen

Wie wir heissen beeinflusst, wie wir eingestuft werden. Sagen wir jemandem unseren Namen, assoziiert dieser damit sofort von wo wir herkommen könnten oder wie intelligent wir womöglich sind. Welche Namen dabei im Job am erfolgreichsten sein sollen, verrät eine Studie.

Beruf & Berufung

So erkennt man ein Burnout

Fast jeder von uns erlebt von Zeit zu Zeit stressige Phasen. Wenn der Stress allerdings chronisch wird, kann es zu einem Burnout kommen. Fachpsychologin für Psychotherapie Natasa Kalt (51) verrät, wie sich die Erschöpfung vermeiden lässt.

Ihre Privatsphäre

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Klicken Sie auf „Alle Cookies akzeptieren“, um Ihre Zustimmung zu erteilen.

Hinweis zur Verarbeitung Ihrer auf dieser Website erhobenen Daten in den USA durch Google: Durch Klicken auf "Alle Cookies akzeptieren" erklären Sie sich auch mit der Verarbeitung Ihrer Daten in den USA gemäss Art. 49 Abs. 1 Satz 1 lit. a DSGVO einverstanden. Die USA werden vom Europäischen Gerichtshof als ein Land mit einem nach EU-Standards unzureichenden Datenschutzniveau angesehen. Es besteht insbesondere das Risiko, dass Ihre Daten von US-Behörden zu Kontroll- und Überwachungszwecken verarbeitet werden, möglicherweise ohne die Möglichkeit des Rechtsweges.

Wenn Sie auf "Nur notwendige Cookies akzeptieren" klicken, findet die oben beschriebene Übertragung nicht statt. Weitere Hinweise erhalten Sie in unseren Datenschutzhinweisen.