So hilft Ayurveda gegen Stress

Stress ist ein allgegenwärtiger Begleiter in der heutigen Gesellschaft. Wir hetzen vom einem Termin zum anderen und vergessen dabei, auf unsere geistige Gesundheit zu achten. Wie wichtig das aber eigentlich wäre, verrät eine Ayurvedamedizinerin.

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Morgens hetzen wir aus dem Bett, weil wir sonst zu spät zur Arbeit kommen. Mittags schaufeln wir in Windeseile etwas zu essen runter, damit wir ja nicht zu lange vom Büropult weg sind. Abends lassen wir dann den Sportkurs ausfallen, weil die Zeit einfach nicht reicht und noch viele andere Aufgaben erledigt werden müssen.

Kommt Ihnen bekannt vor? So geht es vielen Menschen heutzutage. Wir nehmen uns eine Menge vor, die wir praktisch im Alltag so gar nicht umsetzen können. Und dann wollen wir auch noch alles perfekt machen, wie Dr. Marisa Hübner (35), leitende Ärztin bei Jivita, Zentrum für Komplementärmedizin Bethanien, zu Vayamo sagt: «Auch wenn noch so viel auf sie zukommt, manche Menschen wollen einfach alles perfekt bewältigen. Das raubt ihnen die Zeit dafür, sich um sich selbst zu kümmern.» Daher ist es wichtig zu lernen, wie wir mit Stress umgehen und ihn an mancher Stelle reduzieren können. Dabei verrät Hübner einige Tipps, wie uns das mit Ayurveda gelingen kann.

Woher kommt Stress laut Ayurveda?

In einem ersten Schritt ist es wichtig, zu verstehen, was Gesundheit überhaupt ist, wie Hübner meint. «Die Grundlage für Gesundheit besteht im Ayurveda darin, körperlich, geistig und psychisch in seiner Balance zu sein. Stress entsteht, wenn wir aus unserer Balance fallen.» Stress sei zunächst erstmal eine natürliche Reaktion des Körpers auf eine herausfordernde Situation. Problematisch werde Stress dann, wenn er uns überfordert oder über längere Zeit andauert.

Dabei kann sich Stress in Form von unterschiedlichen Symptomen zeigen. Laut der Ärztin für Innere Medizin und Ayurvedamedizin können die Gedanken beginnen zu rasen, man wird unkonzentrierter, kommt abends nicht mehr so gut zur Ruhe, entwickelt Schlafstörungen, wird allgemein nervöser, das Herz beginnt zu rasen oder man leidet gar unter Verstopfungen oder Durchfall.

«Unsere moderne Gesellschaft ist extrem schnelllebig, wir sind viel unterwegs, ständig äusseren Einflüssen ausgesetzt», erklärt Hübner weiter. Die permanente Reizüberflutung, Multitasking und ein insgesamt hoher Leistungsanspruch erzeugen bei vielen Menschen Stress.

Sind manche Menschen anfälliger auf Stress als andere?

Nach dem Verständnis des Ayurveda ist jeder Mensch anders. Jeder hat eine eigene Konstitution, die durch die drei «Doshas» oder Bioenergien bestimmt wird: 

  • Vata setzt alles im Körper in Bewegung. So unter anderem Muskeln, Nerven, Verdauungsprozesse und Herzschlag. Vata wird ausserdem mit den folgenden Qualitäten beschrieben: kalt, leicht, beweglich, rauchend und feinstofflich.
  • Pitta ist das Prinzip der Veränderung der Transformation. Es produziert Energie und erzeugt Wärme im Körper. Pitta ist in seiner Qualität heiss, sauer, scharf und durchdringend. 
  • Kapha steht für das Stabilisierende. Also das, was uns kräftigt, nährt und aufbaut. Es ist stabil, ölig, schwer und kalt.

Ayurveda bedeutet frei übersetzt: die Wissenschaft vom langen und gesunden Leben. Hier macht es laut der Ärztin Sinn, zu wissen, welcher «Körper-Typ» man ist beziehungsweise welche Doshas aus dem Gleichgewicht geraten sind. «Angepasste typgerechte Änderungen in Ernährung und Lebensstil können viel dazu beitragen, uns wieder zu balancieren und viel wichtiger noch: uns dabei helfen, dauerhaft in unserer Mitte zu bleiben.»


PictureDr. Marisa Hübner ist leitende Ärztin bei Jivita, das Zentrum für Komplementärme-
dizin Bethanien.
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Was kann man laut dem Ayurveda gegen Stress tun?

Hübner rät, zu überlegen, worauf man als Erstes verzichtet, wenn die Zeit knapp wird.  «Verzichten Sie auf Dinge, die Ihnen eigentlich guttun, wie Sport, Entspannung oder gutes Mittagessen?», fragt die Ayurvedamedizinerin. Die Ärztin weiss, dass wir meistens zuerst bei uns selbst «sparen». «Das ist eben das Falsche, weil es genau diese Dinge sind, die uns letztlich gesund erhalten und resistenter gegen Stress machen.»

Obwohl die Ayurveda-Lehre für den Laien unglaublich weit und komplex wirken mag, sind es meist ganz kleine Anpassungen, die zum Ziel führen. «Häufig sind es Kleinigkeiten, die man im Alltag verändern kann.» Mit diesen Kleinigkeiten fängt man am besten an:

Tipp 1: Sich fragen, was einem wirklich guttut

In einem ersten Schritt sollte man laut der Expertin einmal in sich hinein fragen: Wo stehe ich überhaupt? Was tut mir gut, was schadet mir? Dabei gehe es auch darum, seine eigene «Natur» wahrzunehmen. Wer stets gegen sich selbst ankämpfe, habe nicht nur Stress, sondern werde auf lange Sicht auch krank.

Tipp 2: Gesunde Routine entwickeln

Wohltuende Routinen in seinen Alltag zu bringen und diesen zu verfolgen, ist laut der Ayurvedamedizinerin besonders wichtig. «Man sollte herausfinden, was einem gefällt und das auch regelmässig praktizieren. Das kann Meditation oder Yoga, aber auch etwas ganz Anderes sein.»

Häufig würden Menschen gegen ihre innere Uhr leben, was zu Stress führen könne. Daher sei es so bedeutend eine gesunde, dauerhafte Routine zu etablieren: «Sagen wir mal, Sie halten sich daran, zwischen sechs und sieben Uhr ausgeruht aufzustehen, setzen sich mittags hin und essen zwischen zwölf und 14 Uhr eine Mahlzeit. Abends gehen Sie dann immer zur selben Zeit ins Bett, so zwischen 22 und 23 Uhr.» Dieser Rhythmus, der uns durch den Alltag begleitet, sei laut Hübner das Zentrum, um was es wirklich geht.

Tipp 3: Sich Zeit für sich nehmen

Sich morgens, während des Tages und abends kurze Ruheminuten zu gönnen, hilft gegen Stress. Laut der Ayurveda-Expertin solle man sich beispielsweise vor dem Schlafengehen Zeit nehmen, in der man etwas nur für sich macht. «Abends für sich abzuschalten – das ist wichtig. Das heisst, nicht mit dem Handy ins Bett gehen, sondern sich Zeit für eine Abendroutine gönnen.» Das kann eine Meditations- oder Atemübung, eine Tasse Schlaftee, ein Buch oder Hörbuch sein, wie Hübner aufzählt.

Tipp 4: Richtige Ernährung

Die Ernährung ist etwas vom wichtigsten im Ayurveda. Besonders bedeutend ist auch hier der Rhythmus von regelmässigen Mahlzeiten. Als weiterer Tipps nennt die Ayurvedamedizinerin: «Wenig Kohlensäure trinken, sondern mehr stilles, warmes Wasser zu sich nehmen. Tees können eine gute Hilfe sein. Bunt zu essen, hilft dabei, dass wir mit allen nötigen Nährstoffen versorgt werden. Es sollten viele frische, pflanzliche Lebensmittel gegessen und auf Fertigprodukte verzichtet werden.»

Wer gestresst ist, der sollte sich laut der Expertin süss ernähren. Das bedeute aber nicht, viele Süssigkeiten zu sich zu nehmen. «Süss beruhigt und erdet uns – es erhöht das Kapha und beruhigt das Vata und Pitta, die bei Stress ausser Rand und Band sind.» Süsses, reifes Obst sowie Vollkorngetreide seien dabei eine gute Wahl. Auch Kürbis und Wurzelgemüse, wie beispielsweise Karotten oder Süsskartoffeln, können bei Stress helfen, wie Hübner sagt. 

Tipp 5: Auf Atmung achten

Sein Bewusstsein auf die Atmung zu lenken, kann viel bewirken. Dies kann man immer und überall machen, ohne dass es jemand bemerkt, wie Hübner sagt. Die Ärztin für Innere Medizin fährt fort: «Die Atmung ist die ganze Zeit über da und so lebenswichtig, aber wir nehmen sie nur selten bewusst wahr. Bei Stress atmen wir häufig schneller, flacher oder unregelmässiger.» Man solle sich die Atmung im Alltag öfters mal bewusst machen. «Drei Atemzüge nehmen. Tief einatmen, langsam ausatmen – dann merkt man schnell, wie sich das System beruhigt.»

Tipp 6: Ausreichend schlafen

Wer auf keinen Fall unter Stress leiden sollte, ist laut Hübner der Schlaf. «Er ist unser natürlicher Regenerationsprozess. Im Schlaf verarbeiten wir Dinge, unser Körper kann heilen. Wenn wir daran sparen, dann schaden wir uns auf lange Sicht, aber auch schon kurzfristig beträchtlich.» Dabei sollte man in der Regel zwischen sieben und acht Stunden schlafen.

Tipp 7: Ayurveda-Kur oder -Massagen testen

Neben all den Dingen, die man im Alltag selbstständig ändern kann, eignet sich als Einstieg und zum Kennenlernen des Ayurveda sich durch einen Ayurveda-Experten beraten zu lassen, eine Ayurveda-Massage zu testen oder sich gar Zeit für eine Kur zu nehmen. «Dort erlebt man die ganze Bandbreite – abgestimmte Massagen mit Ölen, ayurvedisches Essen, Meditation, Yoga, möglicherweise Heilpflanzen und einer Einführung in die ayurvedische Sicht auf einen gesunden Lebensstil und förderliche Ernährung.» Auch in der Schweiz könne man eine solche Ayurveda-Kur zum Beispiel bei Jivita machen.

Wichtig ist Hübner, dass sie im komplementärmedizinischen Zentrum Jivita machbare Empfehlungen ausspricht, die für uns Europäer alltagstauglich sind. «Der Ayurveda ist sehr undogmatisch und lehrt uns vielmehr Grundkonzepte, die wir auf verschiedene Situationen oder Menschen anwenden können. In diesem Zuge wird auch empfohlen, die Lebensmittel zu bevorzugen, die in unserem Umfeld gedeihen – sprich saisonal und regional zu essen oder auch lokale Heilpflanzen einzusetzen.»

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