«Meditation kann immer und überall eingesetzt werden»

Stress begleitet heutzutage viele Menschen durch den Alltag. Mit Meditation lässt sich dieser reduzieren, wie eine Meditationsstudio-Inhaberin erklärt.

PictureLisa Fuchs ist Co-Founderin des Mind-In-Meditationsstudios in Zürich. © Vanessa Büchel

«Wasserfall» ist eines der Wörter, das Meditationslehrerin Nicole Steiner (38) während ihrer Stunde im Mind-In-Meditationsstudio an der Zürcher Weststrasse in den Raum flüstert. Die Schüler sitzen mit geschlossenen Augen im Schneidersitz auf ihren Kissen. Ihre Wörter sollen bei den Anwesenden Erinnerungen oder Gefühle aus dem Unterbewusstsein wecken. Ich drifte ab. Das Abschalten fällt mir schwer. In Gedanken hänge ich der Arbeit nach, die ich noch zu erledigen hätte. Und das Gerade-Sitzen ist gar nicht so einfach. Dann das nächste Wort: «Lagerfeuer.»

Mein Problem, unter dem auch viele andere in der heutigen Zeit leiden: «Wir haben verlernt, einfach einmal nichts zu tun – das müssen wir erst wieder lernen», sagt Lisa Fuchs (39), Co-Founderin vom Mind-In-Meditationsstudio, gegenüber Vayamo. Entspannung passt nur schwer in den überfüllten Alltag. Dabei lasse sich eine ruhige Minute eigentlich ganz einfach in alltäglichen Momenten integrieren, wie Fuchs weiter erzählt: «Achtsamkeit können wir grundsätzlich immer und überall einsetzen, sei es auf dem Meditationskissen, beim Warten auf den Bus, in einer Sitzung oder beim Lesen einer Whatsapp-Nachricht.»

Meditation im Alltag

Fuchs kennt dabei zwei Achtsamkeitsübungen, die Sie jederzeit im Alltag anwenden können. «Man muss dafür nicht für eine Stunde in einem abgetrennten Raum in vollkommener Ruhe sitzen. Sich sammeln und zur Ruhe kommen kann man auch in ganz alltäglichen Situationen, wie beim Anstehen an der Kaffeemaschine oder in einem Meeting», so Fuchs.

  • Übung 1: Bewusstes Ein- und Ausatmen kann viel bewirken. Unsere Atmung ist immer da und etwas Unendliches, auf die wir immer und überall achten können. Atmen Sie dafür tief in den Bauch und konzentrieren Sie sich voll darauf. Eine flache, schnelle Brustatmung kann Stress oder Unwohlsein verursachen. 
  • Übung 2: Achten Sie darauf, nicht immer alles so negativ zu sehen. Wenn Sie vor der Kaffeemaschine im Büro eben eine Weile warten müssen, dann sehen Sie es als gewonnene und nicht verlorene Zeit. Anstatt sich stressen zu lassen, geniessen Sie die freien Minuten und konzentrieren Sie sich auf Ihre Atmung. Denken Sie nicht immer an das Nächste, sondern einfach an das Hier und Jetzt.

Und wer Mühe mit dem Einschlafen hat oder unter Schlafproblemen leidet, dem können Yoga-Nidra-Übungen helfen, weiss Fuchs. «Ein sogenannter Bodyscan kann helfen, besser einschlafen zu können.» Eine solche Übung muss aber stets von einer anderen Person geführt werden, die Sie während einer Gedankenreise durch Ihren Körper leitet: «Jetzt spüren Sie Ihren kleinen Zehen, die Energie fliesst weiter in Ihre Wade …»

Insel der Ruhe

Die 39-jährige Zürcherin eröffnete zusammen mit Senem Wicki (37), ihrer Freundin aus Schulzeiten, nach einer erfolgreichen Pop-up-Phase im Juni 2018 das Meditationsstudio Mind In in Zürich. Die Räumlichkeiten sollen als modernes Trainingscenter und eine Insel der Ruhe dienen – für mehr Klarheit und Gelassenheit im Alltag. Wie die besten Freundinnen darauf kamen, gemeinsam ein Studio zu eröffnen? «Die Idee entstand vor drei Jahren in einem Gespräch darüber, was die Stadt so bräuchte und was vor allem uns fehlt.»

PictureDie Räumlichkeiten sollen als modernes Trainingscenter und eine Insel der Ruhe dienen – für mehr Klarheit und Gelassenheit im Alltag. © Vanessa Büchel

Achtsamkeitspraxis ist ein guter Einstieg in die Meditation 

Grundsätzlich wird zwischen vier Arten der Meditation unterschieden, wie Fuchs beschreibt: «Achtsamkeits- oder Einsichtsmeditation, Transzendentale Meditation, Zen-Buddhismus oder Tantra.» Welche Art von Meditation sich für wen eignet, hänge immer mit der persönlichen Intention zusammen. Die Mind-In-Co-Inhaberin meint: «Wir empfehlen, mit der Achtsamkeitspraxis zu beginnen.»

Das Beste an der Achtsamkeitspraxis sei dabei, dass man sie sehr gut in den Alltag integrieren könne. Wenn man sich aber vertieft mit der Materie auseinandersetzen wolle, dann brauche man folgende Dinge: «Einen Lehrer, einen Raum, wo man sich austauscht und gegenseitig trägt, und ein Sitzkissen.»

Vor einer Meditationssitzung sei es empfehlenswert, sich über seine Motivation und den Sinn der Praxis Gedanken zu machen. Man solle sich bewusst werden, aus welchen Gründen man handelt. «Es gibt diverse Gründe, weshalb wir eine Meditationspraxis etablieren möchten: Stress abbauen, zur Ruhe kommen, sich Zeit für sich selbst nehmen oder eine bereits etablierte spirituelle Praxis vertiefen.» Wichtig sei für sich zu entscheiden, welches Ziel dem Handeln zugrunde liegt. 

Atmung als wichtiger Anker

Aber was passiert eigentlich während einer Meditationssitzung? «Man hört nicht auf zu denken, sondern man lernt, nicht jedem Gedanken nachzugehen. Man lässt Emotionen, Gedanken oder Ängste aufkommen, aber reagiert nicht sofort», beschreibt Fuchs. Die Atmung sei dabei ein wichtiger Anker, der hilft, im Hier und Jetzt zu bleiben. 

Die Meditation beeinflusst unser gesamtes Dasein, glaubt die Expertin. «Die regelmässige Praxis wirkt sich positiv auf unser Leben, unsere Beziehungen, unsere Arbeit und Gesundheit aus.» Der Nutzen von Meditation umfasse positive körperliche wie auch mentale Veränderungen. So beispielsweise die Reduktion des Blutdrucks, Stärkung des Immunsystems, Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit oder Linderung psychischer Störungen.

Geeignet sei Meditation für alle Menschen – egal ob jung oder alt, geübt oder ungeübt, religiös, spirituell oder atheistisch. Die Türen des Mind-In-Studios stehen für alle offen. «Wegen uns muss niemand konvertieren, aber wir laden alle dazu ein, sich mal darauf einzulassen.»

Genau das weiss auch Lehrerin Steiner am Mind-In-Meditationsstudio zu schätzen: «Jeder soll seinen eigenen Weg finden. Es gibt schliesslich unzählige Möglichkeiten, und das Mind In bietet an, unterschiedliche Arten der Meditation zu testen.» Sie versuche, in eine Stunde immer neue Aspekte einzubringen, bleibe ihrer eigenen Meditationspraxis aber treu. «Bei mir geht es immer um die Atmung. Sie ist ein wichtiger Anker.»

Dabei helfe die Meditation Steiner ein feineres Gespür für sich selbst, aber auch für andere Menschen zu entwickeln. «Das Meditieren hat mir beigebracht, manchmal einen Schritt zurück zu machen und die Pausentaste zu drücken.» 

«Meditiert hat man schon vor Tausenden von Jahren»

Besonders in der heutigen Zeit könne Meditation eine grosse Hilfe sein, so Fuchs: «Unsere Gesellschaft erzieht uns zu Leistung in allen Lebensbereichen und zeichnet sich durch permanente Bewertung aus.» Das ist ein enormer Druck, der auf uns lastet und mit der Achtsamkeitspraxis abgelassen werden kann. 

Die Meditation sei sicher auch ein Lifestyle-Trend, der in unserer aktuell schnelllebigen Gesellschaft den Nerv der Zeit trifft, aber wenigstens ein sinnvoller, so findet die Mind-In-Co-Gründerin. «Und sicher kein kurzlebiger, denn meditiert hat man schon vor Tausenden von Jahren.»

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