Lucia Miggiano unterrichtet Glück: «Glücklichsein ist harte Arbeit – und das immer wieder aufs Neue»

Das Streben nach Glück ist ein menschliches Bedürfnis. Doch ist Glück auch einfach Glückssache oder kann man es selbst steuern? Eine Sekundarlehrerin kennt die Antworten. Sie unterrichtet Lehrpersonen und Schüler darin, wie man zufrieden wird – und es auch bleibt.

PictureIst Glück beeinflussbar oder nur Glückssache? © Unsplash

Glück – ein grosses Wort, das für jeden eine andere Bedeutung hat. Andere sprechen lieber von Wohlbefinden oder Zufriedenheit. Es ist ein Zustand, nachdem jeder Mensch strebt und der für jeden erreichbar sein sollte.

Laut dem World Happiness Report des Netzwerks Lösungen für eine nachhaltige Entwicklung der Uno zählt die Schweiz zu den glücklichsten Ländern der Welt. Hinter den nordischen Ländern Europas, wie Finnland, Dänemark, Norwegen, Island und den Niederlanden, schafft es die Schweiz auf Platz sechs. Im Index wird die Lebenszufriedenheit der verschiedenen Länder der Welt analysiert. Eine Rolle spielen Faktoren wie die Gesundheit, der Zugang zu Bildung und die Wahrnehmung der Zukunftsperspektive.

Doch dass die Schweiz so glücklich sein soll, das merkt man im Alltag nicht immer so. Dagegen haftet eher der Ruf von Humorlosigkeit und Verschlossenheit an den Leuten hierzulande. «Wenn ich morgens ins Tram einsteige, habe ich nicht immer das Gefühl, dass die Leute hier besonders glücklich sind», gesteht Lucia Miggiano (57) lachend im Gespräch.

Von der Bank zur Glückslehrerin

Die in Rom geborene Schweizerin ist Sekundarlehrerin und unterrichtet das «Schulfach Glück». Dass sie im Grunde ein glücklicher Mensch ist, merkt man sofort an ihrer aufgestellten und ausgeglichenen Art.

Doch das war nicht immer so: Zuvor hatte Miggiano lange im Banksektor gearbeitet und andere Berufe verfolgt. Bis sie mit 45 Jahren merkte, dass ihr die Stellung bei der Bank zwar Geld und Status bringt, aber keine Sinnhaftigkeit. «Ich fragte mich: Was mache ich eigentlich hier? Natürlich ist es ein Luxusproblem, sich das fragen zu können. Aber ich merkte auf einmal, dass ich nicht mehr in diesem Sektor tätig sein möchte.»

Heute kann die 57-Jährige sagen, dass sie wieder sehr zufrieden ist: «Ich bin privilegiert und glücklich.» Sie konnte sich zur Sekundarlehrerin ausbilden lassen und brachte mithilfe des Fritz-Schubert-Instituts für Persönlichkeitsentwicklung das Schulfach Glück in die Schweiz. Zusammen mit Uta Köfeler lehrt sie heute, zufriedener zu werden.

Glück und Unglück ist etwas sehr Individuelles

Doch wie kann man Glück anderen beibringen? «Wer sein persönliches Glück finden will, der sollte sich in einem ersten Schritt fragen: Wie fühle ich mich?» Nachdem die Grundbedürfnisse abgedeckt sind, gebe es kein Metermass, das ein allgemeines Glück oder Unglück definiere. Glücklich zu sein, basiert immer auf dem Suchen danach, ob man das Leben führt, das man auch möchte, oder ob man die Person ist, die man gerne sein möchte, wie Miggiano sagt. «Wenn Sie diesen Punkten zustimmen können, dann ist das Glück.» Wenn man sich wohlfühle, sich beim Aufstehen auf das Bevorstehende freue oder keine Angst vor dem Tag habe und fest daran glaube, dass man mit allem umgehen könne, das einem erwarte, dann sei das Glück.

«Glück ist natürlich etwas, das sehr individuell wahrgenommen wird», so Miggiano weiter. Dabei habe die persönliche Wahrnehmung von Glück und Unglück sehr viel mit den eigenen Erfahrungswerten und Prägungen zu tun. «Wenn Sie in einer Familie aufwachsen, die von Angst gesteuert wird, dann werden Sie auf diese Art geprägt.» Das Leben würde dann von Angst gesteuert und um das zu ändern, müsse man sich fragen: «Wie kann ich diese Erkenntnis annehmen und damit umgehen lernen? Was gibt mir Sicherheit?» Denn ist jemand von Angst getrieben, dann habe das immer mit einem Mangel an Sicherheit zu tun. Um sein persönliches Glück zu erreichen, müsse man dann herausfinden, was einem Sicherheit vermittelt und sich das vergegenwärtigen.

Unterricht beginnt mit einem Energizer

Miggianos Schulfach richtet sich an Schüler wie auch an Lehrpersonen. Dabei besteht ihr Unterricht aus 12 verschiedenen Modulen. Eines davon kann beispielsweise im Fach Berufswahlvorbereitung verwendet werden. «Wie erarbeiten dort, was die Stärken und Schwächen eines jeden sind», erklärt die Sekundarlehrerin.

Eine Stunde beginnt dabei für gewöhnlich mit einem sogenannten Energizer. Das seien meist Gruppenübungen, die dazu anregen, im Hier und Jetzt zu sein. «Man muss sich konzentrieren, das aber auch auf spielerische Art. Es hat zum Teil mit Achtsamkeit, aber auch mit Kommunikation und Interaktion zu tun.» Mit diesen Übungen sollen die Lernenden auch wirklich im Klassenzimmer ankommen.

Im stressigen Alltag, der von hohem Erwartungs- und Leistungsdruck begleitet wird, gehe oft verloren, sich auf sich selbst zu besinnen. Die Kerninhalte, die das Glückskonzept in den Vordergrund stellen sind Lebenskompetenz, Lebensfreude und Persönlichkeitsentwicklung, wie Miggiano auf ihrer Website schreibt. Dabei werden die Lernenden in ihrem Unterricht darin bestärkt, ihren Lebensweg aktiv und selbstverantwortlich zu gestalten.

Die Aufteilung von Glück

Nun stellt sich aber vielen die Frage: Inwiefern lässt sich Glück überhaupt erforschen? Dazu gibt es unterschiedliche Erhebungen und Studien. Die US-amerikanische Glücksforscherin Sonja Lyubomirsky beispielsweise geht aufgrund ihrer Studien mit Zwillingen davon aus, dass Lebensglück beeinflussbar ist.

Dabei gibt sie eine genaue Aufteilung vor: So glaubt Lyubomirsky, dass 50 Prozent der menschlichen Zufriedenheit genetisch bedingt sind, während 10 Prozent von den Lebenssituationen abhängig sind. Die restlichen 40 Prozent können laut der Glücksforscherin beeinflusst werden.

Und hier setzt Miggiano an: «Das ist der Teil, wo Sie zu Ihrem Glück beitragen können und wo Sie die Haltung ändern können. Es ist harte Arbeit und das immer wieder aufs Neue.» Ist das persönliche Glück einmal gefunden, dann ist die Arbeit aber noch lange nicht erledigt. «Es ist eine lebenslange Aufgabe. Wenn einmal gefunden, hat man es nicht einfach für immer, aber man hat gelernt, wie man es wieder erlangen kann.»

 

PictureLucia Miggiano war schon Airhostess, Dolmetscherin,
Projektmanagerin und Bankerin. Heute hat sie ihre
Berufung gefunden und unterrichtet als Sekundar-
lehrerin. © remaking.ch

Konsumgüter machen für kurze Zeit glücklich

So mag in unserer Konsumgesellschaft für manche eine erworbene Sache zufriedenstellend sein. Dieses Hochgefühl sei aber nicht von Dauer, wie Miggiano erklärt: «Natürlich können mich ein Diamant oder eine Rolex kurzfristig glücklich machen – für immer ist dieses Gefühl aber nicht.» Dagegen können Freunde, Kinder oder Partner ein langfristiges Glück erzeugen. «Um herauszufinden, welche Dinge auf Dauer für Glück bei uns sorgen, bedarf der Reflexion.»

In der heutigen Zeit sind wir etwas von der Spur abgekommen, wie die Glückslehrerin meint. Sie wünscht sich für unsere Gesellschaft, dass wir uns mehr auf diesen Weg begeben würden: «Das Glücklichsein zu lernen, ist genauso wichtig, wie schreiben oder lesen lernen.»

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