Jobwechsel trotz Corona? Erst unterschreiben, dann kündigen!

Die Corona-Pandemie sorgt für Verunsicherung im Job: Will man kündigen und sich eine neue Stelle suchen, sollte man zuerst einmal gut überlegen, ob man dieses Risiko während der jetzigen Zeit eingehen will. Ein Job-Experte über die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt.

PictureDie Corona-Pandemie hat für Unsicherheit in der Berufswelt gesorgt: Wegen millionenfacher Kurzarbeit, steigender Arbeitslosenzahlen und einer instabilen Wirtschaftslage sollte ein Jobwechsel jetzt gut überlegt werden. © Getty Images

Heute kommen langfristige Beschäftigungsverhältnisse nur noch selten vor. Arbeitnehmende suchen immer wieder neue Herausforderungen und wechseln so öfters die Stelle, als es früher der Fall war.

Ein Jobwechsel bringt aber auch immer einschneidende Veränderungen mit sich. Gerade jetzt befinden wir uns in einer aussergewöhnlichen Zeit: Die Corona-Pandemie hat unser Leben auf den Kopf gestellt – vor allem aber auch die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt. Ein Jobwechsel sollte gut überlegt und mit Vorsicht in Erwägung gezogen werden – oder?

«In der aktuellen Lage rate ich grundsätzlich keinesfalls zur schnellen Kündigung. Der Arbeitsmarkt zeigt sich sehr sprunghaft, das birgt für die meisten zu viel Risiko, da sich viele Firmen mit Neueinstellungen zurückhalten», bestätigt Lucas Zehnder (38), Personalberater und Sozialpsychologe, Vayamo.

Laut Zehnder gelte jetzt besonders folgende Regel: «Haben Sie einen unterschriebenen Arbeitsvertrag in der Tasche, bevor Sie Ihren Job kündigen.»

Laut dem KOF Beschäftigungsindikator der ETH Zürich gibt es zurzeit weniger offene Stellen. Das decke sich auch mit den Beobachtungen des Personalberaters: «Viele sind zurückhaltend, auf allen Seiten.» Bei Unternehmen gilt Einstellungsstopp oder Arbeitnehmende werden in die Kurzarbeit geschickt. Es komme vermehrt zu Stellenabbau anstatt -aufbau.

Auf der anderen Seite befinden sich aber auch mehr Menschen auf Stellensuche. «Die Corona-Massnahmen haben einige Stellen gekostet.» Statistiken würden im Vergleich zu 2019 eine Zunahme von über 25 Prozent bei den Stellensuchenden zeigen. Manche Branchen, wie beispielsweise das Gastgewerbe, habe es dabei noch schwerer getroffen.

Keine rosigen Aussichten

Die Aussichten sind laut Zehnder nicht rosig: «Die Auswirkungen der Massnahmen trafen bisher immer verzögert auf den Arbeitsmarkt ein. Wir müssen also damit rechnen, dass die offenen Stellen in den Folgemonaten nochmals weniger werden.»

Hoffnung gebe es aber dennoch, da sich die Wirtschaft im Sommer 2020 erstaunlich schnell erholt habe, als die Massnahmen vorübergehend gelockert wurden.

Bei körperlichen Symptomen sofort handeln

Trotzdem sollte man Unzufriedenheit im Job nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wer ständig nur gestresst und unglücklich ist, der sollte sich wohlüberlegt auf Stellensuche begeben. Denn: «Meine Gesundheit als Arbeitnehmer steht an oberster Stelle. Wem ist gedient, wenn ich erschöpft zusammenbreche?», führt der Personalberater an.

Schlaf, Verdauung, körperliche Aktivität und persönliche Stimmung sind unweigerlich miteinander verbunden. Machen sich körperliche Symptome bemerkbar machen, dann ist es höchste Zeit, sich Hilfe zu suchen, meint Zehnder.

 

PictureLucas Zehnder (38) ist Personalberater und Sozialpsychologe.
Seit 2019 unterhält Zehnder ausserdem einen Youtube-Channel
rund um Bewerbung, Job, Karriere und Psychologie.
© zVg

Einen Grossteil des Stresses mache man sich oftmals aber auch selbst: «Selten sind wir einer Situation komplett und hilflos ausgeliefert. Wir können vieles tun, um unser Umfeld zu beeinflussen – gerade im Job.»

Fehlende Motivation ist ein Warnsignal

Stellt sich aber die Frage, wie man als Arbeitnehmer überhaupt merkt, dass es Zeit für einen Jobwechsel ist. «Typische Anzeichen sind Erschöpfungszustände, dauerndes Ärgern, häufiges Kranksein oder auch Langeweile», zählt der Experte auf.

Stelle man zudem fest, dass sich fehlende Motivation am Morgen oder komplette Gleichgültigkeit in den Berufsalltag einschleicht, sind das Warnsignale, die man ernst nehmen sollten. «Ein Grund, den ich als Personal- und Karriereberater oft höre, wenn es um Job-Unzufriedenheit geht, ist das Fehlen von Weiterentwicklungsmöglichkeiten. Dabei geht es den Betroffenen nicht nur um den nächsten Karriereschritt oder mehr Lohn, sondern auch um ihre persönliche Weiterentwicklung und ihre persönlichen Werte.» Schliesslich sei der Beruf massgeblicher Bestandteil unserer Identität und beeinflusse auch die anderen Lebensbereiche.

Vor dem definitiven Entscheid eines Jobwechsels, sollte man laut Zehnder aber immer gut abwägen: «Ich empfehle jedem, der sich diese Frage stellt, ein Papier hervor zu nehmen und drei Kategorien zu bilden: Arbeitsinhalt, Arbeitsumfeld und Arbeitsbedingungen.» Anhand dieser Kategorien stelle man sich die richtigen Fragen und komme schlussendlich auf die richtige Antwort. «Hier ein paar Beispiele zur Inspiration: Was genau gefällt mir denn an meiner Tätigkeit? Was nicht? Inwiefern passt mein Team zu mir? Für wie angemessen betrachte ich meinem Lohn?» Nach der Analyse von Inhalt, Umfeld und Bedingungen wisse man ziemlich genau, ob ein Jobwechsel Sinn ergibt.

Auch wenn zurzeit ein Jobwechsel nur vorsichtig gemacht werden sollte, blickt der Job-Experte zuversichtlich nach vorne: «Wenn ich eine Lektion aus meiner Tätigkeit als Personalberater lernen durfte, dann diejenige, dass es im Leben immer wieder weitergeht und sich neue Türen öffnen. Bleiben wir also optimistisch und handeln überlegt.»

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