«Glücklichsein bedeutet nicht, sein Glück von einer Person abhängig zu machen»

Aus ihrem abwechslungsreichen Datingleben erzählt Karin Roth (37), in ihrem Buch «Single, weil die Auswahl scheisse ist». Es ist eine Art Tagebuch, mit sämtlichen Pleiten, Pech und Pannen. Im Interview erzählt die Autorin, was ihr am peinlichsten war.

PictureAuch ohne Partner kann man glücklich sein. © Getty Images/Westend61

Seit Jahren Single? Damit sind Sie nicht allein. Auch ich schreite schon länger ohne Partner durchs Leben. Manchmal fühle ich mich wie eine Aussätzige. An Familienfesten werde ich regelmässig gefragt: «Wann bringst du denn mal jemanden mit?» Keine Angst, ich sage es euch bestimmt früh genug.

Ich bin gesund, habe die besten Freunde der Welt und einen tollen Job: Mir geht es also bestens, ich bin glücklich. Ich habe kein Problem damit, Single zu sein. Aber manchmal habe ich einfach das Gefühl, viele anderen hätten ein Problem damit, dass ich allein glücklich bin. Auch Karin Roth (37) kennt das Gefühl, als Single schräg angeschaut zu werden. Die Immobilientreuhänderin hat ein Buch über ihr Leben als Alleinstehende geschrieben: «Es animiert dazu, das oftmals klischeebedingte Negativ-Image von Singles positiv zu sehen und die Zeit zu geniessen», sagt Roth zu Vayamo.

Vayamo: Man braucht nicht zwingend jemanden an seiner Seite, um glücklich zu sein. Sehen Sie das auch so? 
Karin Roth: Man braucht auf alle Fälle nicht unbedingt einen Partner. Aber es braucht ein Umfeld, finde ich. Familie, Freunde, Kollegen. Wir alle haben bewusst oder unbewusst das Bedürfnis uns auszutauschen, gemeinsame Aktivitäten auszuüben, was zu unternehmen und «zu leben». Sich auf die Vorstellung zu fixieren, dass dies alles mit ein und derselben Person zu geniessen ist, schränkt doch wahnsinnig ein. Glücklich zu sein bedeutet nicht, sein Glück von einer Person abhängig zu machen.

Mit «Single, weil die Auswahl scheisse ist» haben Sie kürzlich eine Art Tagebuch über Ihr Datingleben herausgebracht. Wie kam es zu der Idee?
Vor etwa fünf Jahren bin ich regelmässig mit einer Freundin sonntags im Wald spazieren gegangen und habe ihr vom Wochenende, dem Ausgang und meinen Dates erzählt. Sie hat daraufhin oftmals verlauten lassen: «Du erlebst Sachen, die gibts gar nicht – du solltest ein Buch darüber schreiben!» Vermutlich war es scherzhaft gemeint, aber gegen Weihnachten hatte ich die Idee, ihr ein «kleines» Manuskript als Weihnachtsgeschenk zu überreichen. Sie fand es toll und hat mich angespornt, daran weiterzuarbeiten.

Auf dem Cover des Buchs werden Sie als «Datingqueen» angepriesen. Wie viele Dates hatten Sie bereits in Ihrem Leben?
Datingqueen klingt, wie wenn ich das mit den Dates total im Griff hätte. Das stimmt doch gar nicht. Ich berichte einfach nur darüber – es sei dahingestellt, ob ich meine Dates gut oder schlecht meistere. Wie viele Dates es an der Zahl waren, weiss ich wirklich nicht. Ich halte es einmal grob und sage in vielleicht insgesamt zehn Jahren (mit Unterbrüchen) Single-Dasein hatte ich sicher mehrere Dutzend Dates.

 

PictureDas Taschenbuch «Single, weil
die Auswahl scheisse ist» gibts
bei Orell Füssli für 21.90
Franken.
© orellfuessli.ch

Und welches Ihr peinlichstes Dating-Erlebnis?
In meinem Buch erzähle ich von einem eher schrägen Date beim Bootfahren und einem Bräunungscreme-Unfall. Und als ob es nicht schon nervig genug gewesen wäre, stiess unverhofft auch noch mein Vater dazu und stellt mir unangenehme Fragen… Das war mir peinlich! Nicht gegenüber meinem Date – sondern gegenüber meinem Vater.

Welche Tipps haben Sie für jemanden, der immer nervös vor einem Date ist?
Ein bisschen Nervosität ist doch gar nicht schlecht – so zeigt man, dass es einem auch wichtig ist. Allerdings bin ich kein Date-Guru. Vielleicht ist da ein Coaching eine Hilfe. Oder die Lektüre eines Pick-up-Artists. Tipps und Tricks findet sich in meiner Lektüre nicht – aber ehrliche, vielseitige und lustige Erfahrungen aus meiner Single-Zeit.

Welche Botschaft versteckt sich denn in Ihrem Werk?
Mein Buch ist kein Ratgeber, der mit Lebensweisheiten gespickt ist! Im Fokus stehen einfach lustige, verrückte Geschichten aus dem Datingleben. Mit allen Hochs und Tiefs. Ja, es gibt auch Tiefs, aber wenn man nachher mit den Freundinnen an einem Mädelsabend darüber lachen kann, dann war es doch nicht umsonst. Das Buch animiert dazu, das oftmals klischeebedingte Negative-Image eines Singles – beispielsweise schwer vermittelbar oder kompliziert – positiv zu sehen und die Zeit zu geniessen.

Die Zeit geniessen, das kann man heutzutage mit den ganzen Dating-Apps gut. Inwiefern hat in Ihren Augen die fortschreitende Technologie das Liebesleben unserer Generation verändert?
Es ist extrem schnelllebig geworden, und vielleicht nimmt man sich heute auch manchmal etwas wenig Zeit, um jemanden richtig kennenzulernen. Alles ist sehr unverbindlich geworden und viel fokussiert sich auf Kurzaussagen in einem Profil oder Fotos. Das muss nicht zwingend schlecht sein. So bieten sich viele Möglichkeiten. Aber ich merke, dass es dem ein oder anderen so auch schwerfällt, sich festzulegen.

Gibt es bereits Pläne für die Zukunft, ein weiteres Buch zu schreiben – vielleicht darüber, dass Sie die Liebe schliesslich gefunden haben?
Diese Frage wird bereits in «Single, weil die Auswahl scheisse ist» beantwortet. Ein nächstes Manuskript ist in der Tat in Arbeit und konzentriert sich in erster Linie auf Freundschaften. Aber ob es wirklich einmal veröffentlicht werden soll, wird sich zeigen.

PictureKarin Roth (37) ist Immobilientreuhänderin. Sie 

ein Buch über ihr Datingleben geschrieben. © zVg
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