Eine Anleitung für Aromapflege zum Selbermachen

Sich mit ätherischen Ölen etwas Gutes tun: Das geht selbst angewandt oder mithilfe einer professionellen Aromatherapie durch Heilpraktiker oder Ärzte. Die Düfte sollen unter anderem auch helfen, das Immunsystem zu stärken, was in der Corona-Zeit von Vorteil ist.

PictureIn der Aromatherapie und Aromapflege kommen natürliche ätherische Öle auf verschiedene Arten zum Einsatz und können dabei unser Immunsystem stärken.
© Unsplash/Priscilla du Perez

Wer sich physisch oder psychisch nicht fit fühlt, dem kann eine individuell abgestimmte Aromatherapie mit ätherischen Ölen guttun. Diese sollte von einer Fachperson durchgeführt werden. Eine solche Expertin ist die Naturheilpraktikerin und diplomierte Aromatherapeutin Marlise Schmid. Sie bietet individuelle Beratung in der Fussatlas Naturheilpraxis in Oberweningen ZH an und ist als eine von mehreren Naturheilpraktikerinnen im Nature-First-Therapiezentrum in Zürich tätig.

Doch auch zu Hause kann man sich selbst mithilfe natürlicher ätherischer Öle als Ergänzung zur Hausapotheke behandeln, wie Schmid im Gespräch mit Vayamo erklärt. Dies werde dann nicht als Aromatherapie, sondern als Aromapflege bezeichnet, die von jedem angewendet werden könne. Wichtig sei es, nur natürliche Produkte einzusetzen: «Synthetische Öle dürfen nicht verwendet werden, da sie Allergien auslösen können und keine Wirkung auf den Körper haben», sagt die Naturheilpraktikerin. Trägeröle, wie beispielsweise Mandel-, Sonnenblumen-, Raps- oder Jojobaöl, sollten kaltgepresst und möglichst von Bio-Qualität sein.

Wie genau funktioniert Aromapflege?

Ätherische Öle wirken ganzheitlich auf den Menschen, wie Schmid ausführt. Sowohl bei der Aromapflege, als auch bei der professionellen Aromatherapie, wird der Mensch dabei ganzheitlich auf allen Ebenen von Körper, Geist und Seele betrachtet.

Laut der Expertin werden durch den Geruchssinn die Wirkstoffe der duftenden Öle durch die Nase ins limbische System geleitet, das ein alter Teil des Gehirns ist, in dem viele Erinnerungen gespeichert sind und Gefühle entstehen. Unbewusst werden von dort aus unsere Stimmungslage, unser Antrieb, die Atmung, der Kreislauf, die Verdauung und die Fortpflanzung gesteuert, worauf Düfte Einfluss nehmen können.

Aufgrund ihrer fettlöslichen Eigenschaft und hohen Diffusionsfähigkeit werden ätherische Öle leicht durch die Haut oder Schleimhaut ins Blut aufgenommen und im ganzen Organismus verteilt. «Nach einer Aromamassage sind die ätherischen Öle innerhalb von 20 bis 60 Minuten im Blut und der ausgeatmeten Luft nachweisbar», sagt die Aromatherapeutin.

Vielfältige Anwendungsformen

«Ätherische Öle werden für Aromamassagen, Einreibungen, Kompressen, Wickel, Bäder oder Teilbäder, in Körperölen oder Rollons, für Duftanwendungen in einem Diffusor, Nastuch oder Riechstift verwendet und können gut zu Hause angewendet werden», so Schmid. Mithilfe solcher Anwendungen habe man es selber in der Hand, die Selbstheilungskräfte zu steigern, das Immunsystem zu stärken und das Wohlbefinden zu fördern.

Nicht jede Essenz ist für alle geeignet

Bei Säuglingen und Kleinkindern müsse man vorsichtig bei der Anwendung ätherischer Öle sein. Es darf nur gering dosiert werden und nicht alle Essenzen sind geeignet, warnt Schmid. «Auch Epileptiker, an COPD (chronische Atemwegserkrankungen) Erkrankte oder unter Bluthochdruck leidende Menschen sowie schwangere und stillende Frauen dürfen gewisse Düfte nicht verwenden.» Als Beispiele nennt die Expertin Pfefferminze, Eukalyptus radiata, Fenchel, Rosmarin verbenon, Thymian thymol, Nelkenknospen und Zimt. Man solle sich in diesen Fällen persönlich von einer Fachperson beraten lassen.

Hat man ätherische Öle zu Hause, sollten diese gut verschlossen, lichtgeschützt und bei mittlerer Raumtemperatur aufbewahrt werden. So wird der Oxidationsprozess verlangsamt. Grundsätzlich sind laut Schmid ätherische Öle bei richtiger Lagerung sehr lange haltbar, Zitrusöle jedoch nur ein bis zwei Jahre.

 

PictureMarlise Schmid ist erfahrene Naturheil-
praktikerin
und Aromatherapeutin. Sie
weiss, wie Düfte
ganzheitlich auf den
Menschen wirken und
das Wohlbefinden
fördern können.
© zvg

Behandlungsmöglichkeiten mit ätherischen Ölen

Ätherische Ölen können unter anderem bei Atemwegsbeschwerden, Husten und Erkältungskrankheiten, Muskelverspannungen, Beschwerden rund um den Zyklus oder Wechseljahrsbeschwerden, Verdauungs- oder Einschlafproblemen sowie psychische Beschwerden helfen, zählt die Aromatherapeutin auf. Auch zur Förderung der Durchblutung, zur Schmerzlinderung, Entspannung oder als Aphrodisiakum gebe es entsprechende Düfte. «Viele ätherische Öle enthalten auch antibakterielle, antivirale und entzündungshemmende Eigenschaften», weiss Schmid. Und manche würden wiederum durch antioxidative Eigenschaften den Reparaturmechanismus der Hautzellen anregen.

Ein weiterer Tipp der Expertin ist es, seine Mahlzeiten mit Gartenkräutern zu ergänzen: «Die ätherischen Öle von Heilpflanzen wie Basilikum, Oregano, Dill, Schnittlauch, Majoran, Petersilie oder Koriander regen die Verdauung und Selbstheilungskräfte auf natürliche Weise an.»

5 Rezepte für Aromapflege für zu Hause

Gegen Atemwegsbeschwerden 

Es eignen sich verschiedene ätherische Öle wie …

  • … Zitrone
  • … süsse Orange
  • … Cajeput
  • … Zirbelkiefer
  • … Latschenkiefer
  • … Weisstanne

Für die Anwendung werden zwei bis drei Tropfen von einer oder mehrerer Essenzen gemischt und in einen Aroma-Diffusor, beziehungsweise alternativ in eine Duftlampe, gegeben. «Dies klärt die Luft, wirkt desinfizierend und entspannt», so Schmid.

Brustöl gegen Erkältung

Fünf bis zehn Milliliter Mandel- oder Sonnenblumenöl dienen als Trägeröl und sollten erwärmt und mit einem der folgenden ätherischen Öle gemischt werden:

  • Thymian linalool
  • Eukalyptus globulus
  • Cajeput

Für Kinder ab fünf Jahren können ein bis zwei Tropfen in die Trägeröle gemischt werden, für Erwachsene drei bis sechs Tropfen, je nach körperlicher Verfassung. Anschliessend soll man die Mischung im Brustbereich und oberen Rücken einreiben. Dabei gut im Rhythmus ein- und auszuatmen verstärkt die Wirkung. Besonders gut wirkt das Brustöl, wenn man es abends verwendet und man sich nach dem Einreiben mit einer Wärmflasche auf der Brust ins Bett legt. «Das wirkt wunderbar entspannend, schleimlösend und hilft bei Husten und Erkältungskrankheiten», sagt die Expertin.

Massageöl gegen Verdauungsbeschwerden

Bis zu zehn Milliliter warmes Rapsöl werden mit einem oder mehreren der folgenden ätherischen Öle gemischt:

  • Majoran
  • Kümmel
  • Anis
  • Mandarine

Für Kinder ab fünf Jahren benutzt man ein bis zwei Tropfen ätherisches Öl, für Erwachsene bis zu vier Tropfen. Mit dem Ölgemisch wird der Bauch im Uhrzeigersinn massiert. Es sollte dabei in den Bauch eingeatmet werden. Danach eine Wärmflasche auflegen und eine halbe Stunde entspannen.

Entspannungsbad

Für ein entspannendes Vollbad werden zehn bis 20 Gramm Meersalz, Honig oder Kaffeerahm mit maximal acht Tropfen eines beliebigen ätherischen Öls gut vermischt und dem Badewasser nach dem Einlaufen zugegeben. Entspannend und erfrischend wirken zum Beispiel:

  • Rose
  • Lavendel
  • Palmarosa
  • Rosengeranie

Schmid sagt dazu: «Das Bad wirkt ausgleichend und hilft bei Schlafstörungen, Ärger oder Melancholie.»

Einschlaf-Hilfe für Kinder

«Kinder lieben Düfte. Ein typischer Kinderduft ist Mandarine», weiss die Expertin. Ein bis zwei Tropfen davon auf ein Nastüchlein geben und ins Bettchen legen, hilft beim Einschlafen.

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