Die grosse Kunst des Nichtstuns

Einfach mal gar nichts zu tun und Luftlöcher in den Himmel zu starren, ist langweilig? Kann sein, dafür ist es aber gut für Körper und Geist.

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Wann haben Sie das letzte Mal einfach entspannt? Sprich so richtig relaxt und absolut gar nichts getan? Bei den meisten ist das viel zu lange her. Und das, obwohl absolutes Nichtstun regelmässig zelebriert werden sollte. Denn der US-amerikanische Neurowissenschatler Marcus Raichle entdeckte Anfang der 2000er-Jahre, dass es im Hirn ein sogenanntes «Default Mode Network» gibt. Dieses wird aktiviert, wenn ein Ruhezustand vorherrscht. Das heisst, dass diese Region des Gehirns besonders aktiv wird, wenn wir einfach nur rumhängen, dösen oder in Gedanken abschweifen. 

Und dieser Zustand bringt einige positive Effekte mit sich. Einerseits hilft er dabei, gegenwärtige Erfahrungen zu verarbeiten. Andererseits wird unsere Kreativität nachweislich beeinflusst. Darum kommen uns kurz vor dem Einschlafen oder bei anderen faulen Zuständen auch immer die besten Ideen – sprich wahre Geistesblitze!

Abschalten fällt in der heutigen Zeit schwer

Um diesen schöpferischen Zustand zu erreichen, muss aber nicht immer auch gar nichts getan werden. So wird je nach Person das «Default Mode Network» beim Rasenmähen, Spaziergang oder bei der Gartenarbeit aktiviert. Dann spricht man von «tätiger Entspannung».

Doch fällt in der heutigen Zeit Nichtstun gar nicht so einfach. Wir leben in einer Gesellschaft, die nur so von Beschleunigung dominiert wird. Alles muss schnell erledigt werden, der getacktete Alltag wird von Stress regiert. 

Was ist Nichtstun genau? 

Zuerst einmal die grosse Frage: Wie wird Nichtstun überhaupt definiert? Die Antwort darauf ist relativ. Denn kann für jemand, der nachmittags seine Freunde trifft, abends die Wohnung putzt, um anschliessend noch schnell einzukaufen und danach ins Kino zu gehen, für den bedeutet, einfach mal einen Nachmittag mit einem Drink am Pool zu sitzen und durch Instagram zu scrollen, pure Erholung. Andere sehen den lang ersehnten Theaterbesuch als wahres Herunterfahren. 

Doch worin sich wohl alle einig sind: Ein Kriterium von wahrem Nichtstun ist die Produktivität. So kann man wohl erst davon sprechen, dass man nichts getan hat, wenn man auch absolut nichts erledigt hat. In Hinblick auf die Produktivität bedeutet Nichtstun also, nichts erledigt zu haben. Irgendwie doch widersprüchlich, haben wir vorher gesagt, dass Nichtstun kreative Ideen hervorbringt und Müssiggang aber gleichzeitig für Unproduktivität steht. 

Wie Sie im stressigen Alltag abschalten, sei Ihnen überlassen. Sich nach der Arbeit auf dem Sofa einzurichten, in eine Decke einzukuscheln, eine Tasse Tee in der Hand zu halten und aus dem Fenster zu starren, kann eine gute Möglichkeit sein.

Grosse Entspannungskünstler

Wer sich schwertut, abzuschalten, der nimmt sich bekannte Müssiggänger zum Vorbild. So wie Winston Churchill, der nie auf seinen Mittagsschlaf verzichtete. Täglich gönnte er sich nachmittags Ruhe und schwor darauf, so mehr bewerkstelligen zu können. Dabei wies er aber darauf hin, es richtig zu tun: «Zwischen Mittagessen und Abendessen muss man schlafen, und zwar keine halben Sachen. Ziehen Sie Ihre Kleider aus und legen Sie sich ins Bett – denken Sie nur nicht, dass Sie weniger Arbeit schaffen, wenn Sie am Tag schlafen.»

Aber auch John Lennon galt als «Meister des Müssiggangs». Er galt als der faulste und gleichzeitig produktivste Beatle. Wenn es für ihn beim Songschreiben gerade nicht lief, ging er wieder ins Bett. Dort widerfuhr ihm meist ein Geistesblitz und viele Songs wurden auf diese Art geboren. 

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