Dem Darm etwas Gutes tun

Noch immer neigen wir dazu, die Wichtigkeit eines gesunden Darmes zu unterschätzen. Wann haben Sie sich zuletzt ganz bewusst Gedanken darüber gemacht, was ihm guttut? Es lohnt sich, darauf zu achten.

PictureIn unserem Darm sind viele Bakterien zu Hause. Und die brauchen wir auch! © Unsplash

Bauchschmerzen, Blähungen, ein Zwicken und Zwacken, Verstopfung, Durchfall – jeder von uns kennt wohl die direkten Folgen, wenn der Darm nicht richtig funktioniert.

Aber wenn es ihm gut geht, ist er ein wahres Superorgan. Der rund acht Meter lange Darm filtert Gifte, Keime und Schadstoffe aus der Nahrung, befördert wichtige Stoffe und Flüssigkeiten in die Blut­bahnen und produziert Immun­zellen. Auch der Einfluss der Darm­flora, welche aus Billionen von Bakterien besteht und den Darm besiedelt, sollte keinesfalls unter­schätzt werden. Sie ist ein wichti­ger Teil unseres Immunsystems. Ist die Darmflora intakt, stärkt sie un­sere Abwehrkräfte. Sie schützt uns vor Allergien, Infektionen, Haut­erkrankungen und Asthma. Sie bil­det Vitamin K, welches für die Blutgerinnung wichtig ist, und sorgt dafür, dass wichtige Nährstof­fe wie Vitamine und Spurenele­mente aufgenommen werden kön­nen. Die Darmflora verringert zu­dem die Gefahr von chronisch ent­zündlichen Darmerkrankungen, Pilzinfektionen und Nahrungs­mittelunverträglichkeit. Sie ist also für weit mehr verantwortlich, als «nur» für eine gute Verdauung! 

Möglicherweise hat die Darm­flora auch einen Einfluss auf die Entstehung von Krankheiten wie Rheuma, Diabetes und sogar Krebs, Depressionen, Alzheimer oder Autismus. Und da Bakterien die Bildung von Hormonen im Ver­dauungstrakt beeinflussen, können sie auch für unsere Stimmung und Motivation mitverantwortlich sein.

Die «Guten»: Laktobazillen und Bifidobakterien

Rund 70 Prozent der Abwehrzellen im Körper befinden sich in der Darmschleimhaut, wo sie die Darmflora bilden und Immun­globuline produzieren. Diese braucht der Körper zur Abwehr von Fremdkörpern. Die Bakterien der Darmflora spalten zudem mit Hilfe von Enzymen Nahrungs­bestandteile, die der Körper so nicht verwerten kann, und ver­sorgen ihn dadurch mit Energie, regeln Zellfunktionen, den Zucker­ und den Fettstoffwechsel. Nach­ gewiesen sind rund 400 verschie­dene Arten von Bakterien – vermu­tet werden jedoch um die 1000.

Von vielen Bakterienarten weiss auch die Wissenschaft nicht, ob sie nun gut für die Darmflora sind oder nicht. Bei einigen aber ist der Fall klar: Laktobazillen und Bifido­bakterien beispielsweise gehören zu den Milchsäurebakterien und sind gute, gesunde Darmbakterien. Sie verhindern, dass krankma­chende Keime sich stark vermeh­ren. Ein klares Plus für die beiden!

Einfluss der Ernährung

Dass der durchschnittliche, west­liche Lebensstil nicht gerade ge­sundheitsfördernd ist, weiss man. Hormonpräparate, chlorhaltiges Trinkwasser, Pestizidrückstände in Lebensmitteln, Fluorid, Zucker und ungesunde Fette, zu viel Alkohol, Nikotin und Kaffee, Über­säuerung, aber auch Stress – das alles schadet der Darmflora. Die Ernährung hat demnach sehr gros­sen Einfluss auf ihre Gesundheit, da sind sich Experten einig. Denn nur wenn die Mikroorganismen im Darm im richtigen Verhältnis zueinander stehen, funktioniert auch die Abwehr. Stimmt sie nicht, nehmen die schlechten Kei­me überhand und belasten den Darm. Fremdstoffe können nicht genügend abgewehrt werden, das Immunsystem wird schwächer und der gesamte Körper anfälliger.

Gewisse Produkte, die wir zu uns nehmen, schaden der Darm­flora sogar erheblich, wie beispiels­weise Antibiotika. Dieses Medi­kament zerstört und hemmt Bakte­rien – sowohl die schädlichen als auch die nützlichen. Bis die Darm­flora sich von Antibiotika erholt, kann es Wochen dauern. In dieser Zeit ist die Gefahr, dass sich schädliche Darmbakterien oder Pilze vermehren, deutlich erhöht.

Was dem Darm guttut

Nach einer Therapie mit Anti­biotika kann es sinnvoll sein, spe­zielle Präparate aus der Apotheke einzunehmen, die den Körper mit Darmbakterien versorgen. Das Gleichgewicht wird so schneller wieder hergestellt.

Aber auch ohne Antibiotika­-Therapie fehlt manchmal die Ba­lance der Darmflora. Die Folgen: chronische Verstopfung, Krämpfe, Aufstossen oder Blähungen. Bal­laststoffe heisst das Zauberwort, und davon täglich idealerweise 30 Gramm. Sie können im Magen­-Darm-­Trakt zwar nicht verdaut werden, sorgen jedoch für ein anhaltendes Sättigungsgefühl und fördern als Quellstoffe, die Wasser im Darm binden, eine gute Verdau­ung. Eine ähnliche Wirkung haben Leinsamen, da sie leicht abführend wirken, eingeweichte Trocken­früchte oder beispielsweise Wasser mit etwas Apfelessig versetzt. Auch probiotische Joghurts oder Kefir können die natürliche Darmflora unterstützen. Neben der ausgewogenen Ernährung helfen auch Bewegung, Bauchmassagen, Entspannung und genügend Was­ser – 1,5 bis 2 Liter pro Tag – mit, die Darmaktivität zu steigern. Hilft das alles nicht, darf es kurzfristig auch einmal ein leichtes Abführ­mittel aus der Apotheke sein. Denn eine gute Verdauung wiederum hilft, die Schadstoffe schneller aus dem Darm und somit aus dem Kör­per auszuscheiden. Ziel erreicht!

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