Das steckt hinter dem Beruf Filmtiertrainerin

Während die meisten ihren Haustieren nur einfache Tricks beibringen, beherrschen Filmtiere ein ganzes Repertoire an Kunststücken und besonderen Fähigkeiten. Eine Filmtiertrainerin verrät, worauf es in ihrem Beruf und bei den tierischen Darstellern ankommt.

Picture© zVg (Anita Ziegler)

Im Kino und im Fernsehen sind schon viele tierische Stars berühmt geworden. Die Filme «Lassie» oder «Ein Schweinchen namens Babe» sind den meisten ein Begriff und stehen nur stellvertretend für viele andere Publikumslieblinge. Doch wie werden die Tiere dafür ausgebildet?

Anita Ziegler (33) ist Filmtiertrainerin von Beruf. Die gelernte Multimediaproduzentin sowie Kommunikationsplanerin hat es geschafft, ihren Traum, mit Tieren zu arbeiten, in die Tat umzusetzen. Die heute 33-Jährige ist mit Tieren aufgewachsen und erklärt im Gespräch mit Vayamo, dass es bei ihrer Arbeit vor allem auf Geduld ankommt. Die pelzigen, gefiederten oder geschuppten angehenden Filmstars werden in kleinen Schritten trainiert und für jeden Erfolg gelobt. «Vereinfacht gesagt wartet man, bis das Tier das gewünschte Verhalten zeigt, und belohnt es dann dafür», so die Expertin. Erst zum Schluss werden dem Trick Wortsignale hinzugefügt, sodass das erlernte Verhalten abrufbar wird.

Für effektives Training braucht man hellwache Tiere

Generell sollte nur mit gesunden Vierbeinern gearbeitet werden, die gerne mit Menschen interagieren. Der ideale Zeitpunkt fürs Training? Wenn ein Tier aufmerksam und hellwach ist. Es soll weder müde noch hungrig sein, oder sich dringend erleichtern müssen. Je entspannter die Atmosphäre ist, desto leichter klappt es mit einem neuen Trick. Wichtig: «Das Tier sollte in allen möglichen Alltagssituationen gelassen sein und sich entspannen können», so Ziegler.

Dementsprechend sinnvoll ist es, mit einem von Natur aus ausgeglichenen Tier zu arbeiten, beziehungsweise es zunächst darin zu trainieren, sich auch in ungewohnter Umgebung wohlfühlen zu können. Das ist im Prinzip die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Filmtierkarriere, egal ob Huhn oder Pony. Ziegler versichert: «Schwer oder leicht trainierbare Tiere gibt es für mich nicht. Im Prinzip sind alle fähig zu lernen.»

«Die Arbeit soll den Tieren Freude machen»

Meist arbeitet Ziegler mit Haus- und Heimtieren, darunter Hunde, Katzen, Hühner, Enten, Kühe und Ponys. Wenn exotische Tiere angefragt werden, lehnt sie für gewöhnlich ab: «Zum Beispiel Seelöwen auf dem Sofa oder Löwen mitten in der Stadt.» Dass sich wilde Tiere bei derartigen Einsätzen wohlfühlen würden, sei in solchen Fällen nicht wahrscheinlich.

Als Filmtiertrainer ist man dafür verantwortlich, einzuschätzen, was im Bereich des Möglichen für die Tiere liegt, wie Ziegler erklärt. «Die Arbeit soll den Tieren Freude machen, und sie sollen sich wohlfühlen», sagt die 33-Jährige.

Im Welpenalter mit Training beginnen

Ein gewisses Gespür für die Talente der Tiere gehört auch zu diesem Beruf. «Das Training für einen guten Filmhund beginnt bereits im Welpenalter», sagt Ziegler. Jedes Tier ist dabei individuell zu betrachten und hat bestimmte Talente und Vorlieben, die man dann leichter für Tricks nutzen kann. «Nur gut aussehen reicht leider nicht.»

Je besser die kleinen Kunststücke sitzen, desto reibungsloser verläuft der Dreh oder das Shooting: «Die Zeit am Set ist knapp, und die gewünschten Aufnahmen müssen schnell abgedreht sein.»

Schwarze Hunde werden weniger gebucht

Bisher haben die Filmtiertrainerin und ihre Teams für Kunden wie Coop, Migros, Swisscom, Swatch oder Samsung gearbeitet. Die häufigsten Aufträge seien Werbespots. Manchmal werden die tierischen Darsteller aber auch für Filme gebucht, wie «Das Mädchen und die Spinne», eine Schweizer Tragikomödie, die voraussichtlich im Frühling 2020 erscheinen wird. Sogar bei Theatervorführungen und Live-Events haben die Filmtiere schon mitgewirkt.

Am meisten angefragt werden Hunde und Katzen, da sie in vielen Werbespots, Filmen und Sendungen vorkommen. «Sie gehören einfach in unseren Alltag dazu, und das sieht man in den Werbespots und Filmen», findet Ziegler.

Bei den Kunden seien in der Kategorie Hunde vor allem fotogene, freundlich aussehende, mittelgrosse Vierbeiner beliebt. Schwarze Hunde würden wiederum selten gebucht.

Das eigene Tier trainieren

Wer nun selbst mit seinem wohlerzogenen Haustier in eine Filmtierkartei aufgenommen werden möchte, kann sich mit Ziegler in Verbindung setzen. Gut sei, wenn das Haustier Tricks auf Distanz zum Besitzer ausführen könne, ähnlich wie es die Arbeit bei einem Dreh verlangt.

Die Filmtiertrainerin sucht insbesondere Tiere, die sich auch in ungewohnter Umgebung entspannt zeigen und neugierig an die Arbeit mit fremden Menschen herangehen. Dabei können sowohl nur das Tier als auch der Tierhalter gecoacht werden. Es sei fast genauso wichtig, dass auch der Besitzer offen und wissbegierig an das Training mit seinem tierischen Liebling herangeht. «Ich freue mich über alle motivierten Mensch-und-Tier-Teams, die sich bei mir melden», meint Ziegler. Was ihre Schützlinge alles können, zeigt die Filmtiertrainerin in herzigen Videos auf Youtube.

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